Freitag, 17. April 2015

Die Etrusker waren eines der großen Völker der Antike und beherrschten vor 2500 Jahren große Teile des heutigen Italiens.
Wenig ist von der Kultur und ihrer Herkunft bekannt, vermutlich in der kulturellen Assimilation durch das römische Reich verloren gegangen. Vieles ist aber vermutlich auch unerkannt übernommen und weiterentwickelt worden, wie die Schrift, die Sitte der Vor- und Nachnamen, das Zahlensystem, Ämterwesen oder religiöse Rituale.
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Beschreibung

Heute sind die Tuffsteinhöhlen, Gräber und Nekropolen die wenigen noch sichtbaren Spuren, auch wenn Grabinschriften wenig Auskunft bieten, da die Sprache noch heute nicht vollständig entschlüsselt ist. Der Parco Archeologico »Città del Tufo« umfasst zahlreiche Funde von Bronzezeit bis Mittelalter.

Das Mittelalter hat seine Spuren in dieser Region auch umso deutlicher hinterlassen. So waren einige der Höhlen im Tuffstein noch bis ins 19. Jh. bewohnt und die Orte Pitigliano und Sorano sind auf ihren Tuffsteinfelsen quasi konserviert.

»Terme di Saturnia«

Die Spuren der Etrusker durch die Maremma Antica führen zwangsläufig an den Thermalquellen von SaturniaTerme di Saturnia
Im zentralen Becken des SPA-Resort (tägl. 9.30-19.30, im Winter nur bis 17.30, Tagesticket €20 p.P., ab 15.00 €15 p.P.) schwimmt man direkt über der Quelle der Therme. Kein steriles Becken, sondern Felsformationen mit dunkelgrünem Algenbewuchs und dazwischen hervorquellenden Gasbläschen.
vorbei, Schwefelgestank mit 3000 Jahre alter Tradition.

Schon die Etrusker erkannten die heilende Kraft des dampfenden türkisblauen Wassers mit dem fauligen Geruch. Das Wasser ist ursprünglich am Monte Amiata versickertes Regenwasser, das der erloschene Vulkan in den Tiefen mit Mineralien anreichert und nach ungefähr 40 Jahren Aufbereitung mit gewaltiger Kraft bei Saturnia wieder an die Oberfläche presst – mehr als 500l pro Sekunde.

»Cascate del Mulino«
Türkisblaues warmes Wasser, betörender Geruch
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO(100), 19mm, f6.3

Das pittoreske Naturschauspiel, die berühmten »Cascate del Mulino« (Bild oben), liegen am Ende des Flusses aus Thermalwasser, der sich von der Quelle einige hundert Meter hinab schlängelt bis zu dem kuriosen Gebilde aus Wasserfällen und natürlichen SinterbeckenSinter
durch Kristallisation gebildete Kruste
. Hier kostet das Thermalbaden auch nichts und ist bei kühlem Wetter bestimmt ein belebender Start in den Tag.

»Tomba Ildebranda«

Unterhalb des für den Tourismus renovierten Städtchens Sovana liegen die etruskischen Totenstädte in ausgedehnte Tuffsteinklippen gehauen. Die eindrucksvollste und hier bebilderte ist die Tomba Ildebranda (3. Jh. v. Chr., Mo-Sa 10-19h, €5,50/2,75).

 
»Tomba Ildebranda«
Tote Steine, aber tatsächlich ganz eindrucksvoll
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II

Auf der anderen Straßenseite der SP22 etwa 200m weiter Richtung Sovana erreicht man den kleinen Schotterweg zur Chiesa di San Sebastiano (Wegweiser „Necropoli Etrusca“). An dem Kirchlein führt ein Spaziergang durch die Via Cava di San SebastianoVie Cave
... sind die in den Tuffstein geschlagenen (vermutlich) Straßen der Etrusker mit teils meterhohen steilen Wänden.
.

Entlang des Weges finden sich einige in Tuff geschlagene Überbleibsel der etruskischen Kultur, wie die Tomba della Sirena (3. Jh. v. Chr.).

Sorano

Wer bisher von den zum Reportagezweck gemachten Fotos etwas enttäuscht war, das auf seinem Tuffsteinfelsen gelegene Städtchen Sorano zeigt sich dem Kamerasensor in schönstem Sonnenschein.

»Città del Tufo« Sorano
Freilichtmuseum
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, stitched

Den mächtigen Fels »Masso Leopoldino« mit seinem alten Uhrturm (tägl. 10-13h und 15-19h, Eintritt) ließen die Lothringer im 18. Jh. aus dem Tuffstein herausarbeiten. Auf der Piazza P. Busatti nördlich des Kreisverkehrs am Rathaus weist ein Schild den Weg dorthin, zur besten Sicht über das ganze Städtchen Sorano (bild unten), das mehr wie ein (leider von seinen Bewohnern ziemlich verlassenes) Freilichtmuseum wirkt und zum Schlendern, Staunen und Fotografieren einlädt.

»Città del Tufo« Sorano
Blick vom »Masso Leopoldino«
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, stitched
   

Bewacht wird Sorano durch die Fortezza Orsini (1552), die jenseits der Piazza Benedetto Cairoli über dem Städtchen thront. Zugbrücke und Burggraben sind friedlicheren Zeiten gewichen und geben den Zugang zum Innenhof frei. In der Festung ist das Museo del Medioevo e del Rinascimento (Museum des Mittelalters und der Renaissance, Di-So 10-13h und 15-19h, Eintritt) untergebracht.

Vitozza

Die Höhlenstadt VitozzaCittà rupestri di Vitozza
Schon zur Bronzezeit besiedelt, erstmals 1208 erwähnt, entstand die Höhlenstadt in der heute sichtbaren Form um eine Festung der Aldobrandeschi, die Maremma beherrschende Adelsfamilie. Die Höhlen waren bis ins späte 18. Jh. bewohnt, als auch die letzten Bewohner in die „moderne“ Stadt San Quirico umsiedelten.
mit ihren über 200 Höhlen präsentiert wenig erkennbare Spuren der Etrusker. Es ist eine Zeitreise ins Mittelalter, das im Tuffstein konserviert wurde.

Die Tour beginnt am Parkplatz beim Sportplatz in San Quirico. Am Sportgelände vorbei finden sich schon einige als Garagen und Lager genutzte Höhlen. Nach ~10min erreicht man das Holzgatter zur »Città rupestri di Vitozza«.

Gelbe Tafeln erklären in Englisch und Italienisch Grundriss und Nutzen der einzelnen Quartiere. Ein erster architektonischer Höhepunkt ist Grotta 3, in der Wohnung und Stall durch eine Wand getrennt sind. Nach weiteren ~15min erreicht man einen Rastplatz und die Biggleteria.

»La Chiesaccia«
Überbleibsel des mittelalterlichen Christentums
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, stitched

Dahinter führt der Pfad auf den Kammrücken und über einen Holzsteg zum Primo Castello, weiter auf der Promenade sind Höhlen zu entdecken mit mehreren Stockwerken (etws 30m hinter Grotta18) und mehreren Eingängen. Einen kurzen Anstieg später ist man an den Ruinen der Chiesaccia (Bild oben) angelangt.

   

Die Tour führt am etwas besser erhaltenen Secondo Castello vorbei und findet ihr Ende im unzugänglichen, eisenträgergestützten Colombaio mit seinen kleinen in Tuff geschlagenen Nischen. Allerdings wurde es wohl eher als Taubenschlag genutzt und nicht als (oft beschriebene) Urnenhalle.

Wie gekommen, so geht es nach ca. 1½ Stunden auch wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Pitigliano

Parken kann man am besten im neuen Teil Pitiglianos in der Nähe des Krankenhauses. Bevor es von dort aber in die Altstadt geht, locken ein paar Schritte die Via dell’Unità d’Italia Richtung Friedhof mit einer unglaublichen Aussicht dem Tuffsteinhügel entlang (Bild unten).

»Città del Tufo« Pitigliano
Perle der Maremma
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, stitched

Die Menge der braunen Schilder weisen den Weg über die Piazza Petruccioli und an ihrem Brunnen Fontana Delle Sette Cannelle vorbei in die Zitadelle. Die mächtige Porta della Cittadella mit ihrem großen Travertinwappen der Grafen Orsini (1545) war früher mit Zugbrücke und tiefem Graben ausgestattet – beides ist den friedlicheren Zeiten gewichen.

Hinter dem Tor liegt die Piazza Giuseppe Garibaldi mit dem Rathaus und dem Teatro Salvini sowie sehenswerte, große Renaissancetreppen, die in die Zitadelle führen. Das Caffe del Teatro lädt zu einem Espresso ein. Über das Aquedotto Mediceo geht es zum zinnenbewehrten Palazzo Orsini (Innenhof, Bild unten rechts) und der Piazza della Repubblicca mit ihren Brunnen (Bild unten links). Beachtenswert sind der reich verzierte Balkon und die Renaissance-Loggia über dem Palasteingang. Der Innenhof birgt einen Brunnen und den Zugang zum Museo Civico Archeologico.

 
Pitigliano
Piazza della Repubblicca und Palazzo Orsini

Durch die Gassen des alten Ghettos der im 15. Jh. vor dem Kirchenstaat geflohenen jüdischen Familien entlang der Via F. Zuccarelli gehen wir zu der 1995 renovierten Synagoge. Heute leben nur noch wenige Juden in Pitigliano, aber viele Spuren des »Piccola Gerusalemme« verbleiben: historischer, koscherer Weinkeller; Mikwe, in der sich die Frauen am Ende des monatlichen Zyklus und vor der Heirat dem Ritus der Reinigung unterzogen; jüdisches Schlachthaus; ...

Von der Via F. Zuccarelli links die Treppen der Vicolo Goito herunter findet man die Bastioni, aus Tuff geschlagene Verteidigungsmauern aus vergangenen Zeiten – aber noch heute mit toller Aussicht.

 
»Cattedrale dei Santi Pietro e Paolo«

Die Via F. Zuccarelli führt quasi durch den Dom hindurch. Rechts durch die Viccolo Manin kommen zur Piazza San Gregorio VII mit der Bärensäule als Erinnerung an die mächtigen Orsini und den Eingang zum Dom, »Cattedrale dei Santi Pietro e Paolo« (Bilder oben), der im 12. Jh. entstand und auf Befehl des Grafen Niccolò III. um 1507 restauriert und erweitert wurde.

Die Via F. Zuccarelli und die Via Generali Orsini gehen an der ältesten Kirche der Stadt, der Chiesa di San Rocco (1276), in die Via Aldobrandeschi über. Die Wundertaten des San Rocco schützten einst vor der Pest. Am Ende der Via Aldobrandeschi liegt die Piazza A. Becherini mit Blick ins Tal und die Vicolo dell’Unità, die über die Treppen durch die Porta di Sovana aus der Stadt hinausführt.

Tipps

Come arrivare? Natürlich empfehlen sich motorisierte Fahrzeuge wie Vespa-Roller oder stilvoller Alfa Romeo Guiletta Spyder.

  • Terme di Saturnia: SP10 von Manciano nach Saturnia, Parkplatz angeschrieben und in der Saison eingewiesen und bewacht.
  • Tomba Ildebranda: SP22 entlang der Fiora liegt ewas versteckt im Wald ein öffentlicher Parkplatz.
  • Sorano: Parken? An der Fortezza Orsini kostenlos (Rückweg zu Fuß steil) oder (mit Glück) auf der Piazza P. Busatti.
  • Vitozza: Parken in San Quirico z.B. um den Dreiecksplatz im Zentrum, dann zu Fuß die Via di Vitozza entlang (Schilder folgen).
  • Pitigliano: Im neuen Teil Pitiglianos an der Hauptstraße SS74 großer Parkplatz am Krankenhaus

Vito?

  • Sorano: Cantina L'Ottava Rima (Via del Borgo 25, Do-So geöffnet), in den Tuff geschlagen und gemauert, tolle Location
  • Pitigliano: Caffe del Teatro (Piazza Garibaldi 55); La Rocca (Piazza della Repubblicca 92), Balkon mit herrlichem Blick auf den Sonnenuntergang

Ansonsten verweise ich an dieser Stelle gerne auf meine Quellen für Einkehrtipps Tripadvisor und Terra-Antiqua.

Allgemeine Infos

Strecke: ~50km, asphaltierte Straßen ... aber! Es empfiehlt sich wie üblich, sämtliche Möglichkeiten auf der Stecke zum „sich Verfahren“ auszunutzen und über kurvige Straßen die Gegend zu erkunden!

Ausrüstung: Festes Schuhwerk, für Saturnia Badesachen

Fotoausrüstung: Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM (quasi eins für alles), zusätzlich war noch das Ultraweitwinkel Sigma 10-20 dabei.

Karte


Danke sehr fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.