Dienstag, 11. November 2014

Passend zum Abschluss der Wandersaison ein kleiner Rückblick auf den Spätsommer: Jeder Mensch braucht Bewegung, am besten in Verbindung mit frischer Luft in den Bergen.
Also ab in die bayrischen Voralpen auf Heimgarten und Herzogstand - und weil wir etwas ungeübt (= stinkefaul und untrainiert) sind, sparten wir uns den anstrengenden Aufstieg - ein »Fehler im Ansatz!« Show text

Beschreibung

Die (Vor-)Alpen, von Frühjahr bis Herbst locken die Berge zum Wandern und die Seen zum Relaxen, aber vor allem die entschleunigte ländliche Lebensart.

Aufstieg Herzogstand
Ausblick auf Walchensee zwischen Fahrenbergkopf und Herzogstand
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO200), 18mm, f7.1, 1/400s

Uns zieht es mindestens einmal im Jahr in die Berge, eigentlich zum Entspannen, ein bisschen frische Luft, Aussicht, Kaiserschmarren oder Leberknödelsuppe genießen. Da aber dieses ehemals sportliche, aber seit fast 20 Jahren völlig untrainierte Etwas unterhalb des Halses langsam vom Verfall bedroht ist, reicht frische Luft und Leberknödelsuppe allein nicht mehr – ein bisschen Bewegung muss wohl auch sein.

Tourauswahl

Das Gebiet war quasi vorgegeben, da wir letztes Jahr eine kleine Bleibe für ein bis zwei Nächte auf einem (ehemaligen) Schafsbauernhof in Wallgau gefunden haben. Klar war auch, wir wollen auf einen Berg, die Aussicht genießen – und der Fotograf vielleicht ein Panoramabild machen.

Herzogstandbahn
Was sich als Ende besser eignet war unser Anfang
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Stitched with Microsoft ICE

Gleich ums Eck liegen am Walchensee der Herzogstand und der Heimgarten, vor allem bekannt durch die Gratwanderung zwischen den beiden Gipfeln und den schönen Ausblick auf Kochel- und Walchensee. Ein kurzer Blick in Tourbeschreibung (leicht, ein bisschen Trittsicherheit, aber ansonsten gut begehbar, 6 Std), mit Abkürzen durch Gondelfahrt statt Aufstieg passt das als Tagestour.
Nur genau hier liegt der »Fehler im Ansatz«, aber dazu später mehr.

Walchensee (800m) - Herzogstand (1731m)

Startpunkt ist der Parkplatz der Herzogstandbahn. Wie bereits gesagt wollten wir - ungeübt, wie wir sind - nicht die gesamte Tour wagen, sondern den Aufstieg als vermeintlich anstrengendsten Teil „abkürzen“. Die Herzogstandbahn ist seit 1994 in Betrieb und führt auf den Fahrenbergkopf (1627m), etwas oberhalb vom Herzogstandhaus.

Herzogstand Panorama
Nach Osten sieht man über Kochel- und Walchensee
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Stitched with Microsoft ICE

Von dort geht es erstmal ein paar Schritte bergab um den Fahrenbergkopf herum, bevor sich der Wochenendwanderzug weiter den Herzogstand hinaufschlängelt. Die Aussicht über Kochel- und Walchensee ist beeindruckend und jeden Schritt wert, auch wenn man sie bei schönem Wetter mit vielen anderen Wanderern teilen muss.

Gratwanderung Herzogstand (1731m) – Heimgarten (1790m)

In der entgegengesetzten Richtung, jenseits des Gipfelpavillons, geht es über die Gratwanderung zum Heimgarten - mit jedem Schritt ein schöner(er) Ausblick.

Gratwanderung
Zwischen Herzogstand und Heimgarten, die tolle Aussicht ist jedes bisschen Anstrengung wert.
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 20mm, f7.1, 1/400s

Abgesehen von einigen wenigen Stellen, die eine gewisse Trittsicherheit und auch mal den Griff an ein Stahlseil verlangen, ist der Grat sehr gut begehbar. Wer allerdings glaubt, dass die 60m Höhenunterschied der beiden Gipfel nahezu eben erwandert werden können, täuscht sich gewaltig.

Gratwanderung
Ungefähr Halbzeit auf dem Grat, der steile Endanstieg zum Heimgarten steht aber noch bevor
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 18mm, f7.1, 1/1250s

Auch hier merkten wir erst beim doch sehr steilen Endanstieg zum Heimgarten, wie schnell Kräfte ausgehen können – übrigens in umgekehrter Richtung ist der Endanstieg zum Herzogstand weit weniger steil und anstrengend.

 
Heimgarten
Endlich auf dem Gipfel
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 18mm, f7.1, 1/1600s
Ausblick
Pause bei Aussicht, Speckbrot und Erfrischung
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 35mm, f7.1, 1/1250s

Endlich oben angekommen belohnt der Heimgarten selbst die tierischen Begleiter mit 360° schöner Aussicht, die man am besten bei einem erfrischenden Getränk und kleiner Stärkung in der Heimgartenhütte genießt.

Panoramablick zurück
Das Erreichte, Gratwanderung und Herzogstand
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Stitched with Microsoft ICE

Im Norden sieht man kilometerweit über das Voralpenland bis zum Starnberger See, im Westen und Süden präsentieren sich die Große Arnspitze, Zugspitze, Wettersteingebirge und Karwendel. Im Osten - ein letzter Blick auf das Erreichte - zeigen sich Herzogstand und der Weg, den wir bereits zurückgelegt haben.

Abstieg Heimgarten (1791m) – Walchensee (800m)

Der Abstieg vom Heimgarten beginnt nahezu euporisch. Endlich hat man die Strapazen des Aufstiegs hinter sich und es geht eigentlich fast nur noch bergab. Als Serpentine schlängelt sich der teilweise steinige Weg hinab. Die Alpenvegetation und vereinzelte Bäume, durch Wettereinfluss und steiles Gelände geformt (Krummholzzone), gehen langsam in dichter werdenden Wald über.

   

Ich hatte bereits schon von einem »Fehler im Ansatz« gesprochen. Nun, wer schon mehrere Stunden Wanderung hinter sich hat, wird zwangsläufig müde. Und müde Muskulatur kann bei einem Abstieg nicht mehr sonderlich gut die Schritte abfedern, was etwas auf die Gelenke geht – was wir noch Tage später gemerkt haben.

Was haben wir gelernt?

Das nächste Mal gehen wir die Tour genau andersherum: von Walchensee auf den Heimgarten, Mittagessen, Gratwanderung auf den Herzogstand (mit weniger steilen Endaufstieg), und dann mit der Gondel wieder hinab ins Tal.
Im Nachhinein war diese Wanderung aber jedes bisschen Anstrengung mehr als wert - sehr empfehlenswert.

Infos

Profil: Das Profil ist in entsprechend anderer Richtung beschrieben, da ich die Tour so nicht mehr wandern würde. Da wir eher Spaziergänger sind, können geübte Wanderer gute 20% von der angegebenen Dauer abziehen.

HöheDauerGesamtdauerRoute
800m - 1790m3Std3StdWalchensee - Heimgarten
1790m - 1731m2Std5StdHeimgarten - Herzogstand
Gratwanderung
1731m - 1575m0:30Std5:30StdHerzogstand - Berggasthaus Herzogstand
1575m - 800m2Std / 0:10Std7:30Std / 5:40StdWalchensee - Heimgarten
Abstieg / Gondelfahrt

Startpunkt: Parkplatz Herzogstandbahn
Zielpunkt: Parkplatz Herzogstandbahn

Schwierigkeitsgrad: leicht (blau)

Einkehrmöglichkeiten:
Berggasthof Herzogstandhaus (1575m)
Heimgartenhütte (1785m)

Ausrüstung

Ich war tatsächlich dämlich genug, fast den ganzen Rucksack mitzuschleifen - und das, obwohl man für Wandertouren echt nur die Kamera und das EF-S18-135mm IS STM braucht.
Eine Tasche oder ein kleiner Rucksack ist natürlich sinnvoll, wenn nicht gar wichtig! Erstens braucht man sowieso viel zum Trinken beim Wandern. Zweitens braucht man ab und zu beide Hände. Soll heißen, die Kamera ist manchmal am besten aufgeräumt.

Was ich trotz Rucksack natürlich nicht mit dabei hatte, war das Stativ. Im Nachhinein sehr schade, da in Verbindung mit einem Neutraldichtefilter mit der Langzeitbelichtung sehr schöne Effekte "zerfließender" Wolken möglich sind.

Oh, nicht zu vergessen - auch wenn es nichts mit den Fotos direkt zu tun hat: Vernünftige Schuhe! Die Wege sind teilweise ziemlich steinig, was festes Schuhwerk erfordert.

Weitere Ziele in der Umgebung

In der Umgebung haben wir schon einige weitere schöne Fleckchen gefunden: Mittenwald ist ganz nett zum abends mal was essen und trinken gehen. Zum Wandern ist die Leutschklamm empfehlenswert, einfache Wanderung von ca. 4-5Std (lange Strecke).
Auch Karwendel, Wettersteingebirge, usw bieten viele Wanderstrecken und schöne Berglandschaften.
Interessant ist noch der Eibsee "hinter" Garmisch, der nicht nur einfach zu umwandern ist, sondern währenddessen auch einen schönen Ausblick aufs Zugspitzmassiv bietet.

 
Leutaschklamm

Canon EOS APS-C
Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM
Av, ISO100, 10mm, f13, 1/2s - aufgelegt

Ahornboden

Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM
Av, AutoISO (ISO200), 10mm, f6.3, 1/250s

Uns hat es aber ganz besonders das Isartal im Sommer (nahezu ohne Wasser) und der Ahornboden mit der Engalm angetan, aber auch die tiroler Seite am Achensee und der Gramaialm.

Quellen

Bücher haben immer eine Zielgruppe, eine „Intended Audience“ - und für diese Unmengen an Wanderführern sind das eben im-stechschritt-marschierende Höhenmeterjunkies und eher weniger genussvolle Spaziergänger.
Empfehlen kann ich als Quelle daher das Internet, besonders Höhenrausch. Die Tourensuche ist einfach, Tourbeschreibungen sind gut strukturiert, und auch Anfänger werden nicht von 1500 Höhenmetern in 2,5 Stunden (bei Sucheinschränkung „leicht“ abgeschreckt.


Auch diesmal wieder: Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.