Freitag, 24. Oktober 2014

Mal etwas anderes, das zwar nichts mit Reisen, dafür aber umso mehr mit Fotografie zu tun hat ... Studioaufnahmen gibt es in allen Arten und Formen. Nachbearbeitung von natürlicher Aufnahme bis digitaler Malerei, vom Passfoto bis Coverbild.
Ich möchte hier einen einfachen Ansatz vorstellen, den ich spontan zuhause oder unterwegs machen kann – ganz ohne Studio. Show text

Beschreibung

Studioaufnahmen brauchen einen großen Raum mit riesiger Leinwand und mindestens zwei, drei oder gar vier riesige Blitzgeräte? Nicht doch. Auch als Amateurfotograf kann man mit wenig Equipment schöne Aufnahmen machen, die schon fast nach Studio aussehen. Zumindest ich finde das Ergebnis dieses spontanen Shootings an Heilig Abend gar nicht so schlecht.

Catch the light
Spontanes Shooting mit zwei entfesselten Aufsteckblitzen zum Ausprobieren des faltbaren Hintergrunds (Weih­nachts­geschenk)
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/100s

Das Folgende soll weder Tutorial noch stressbare technische Beschreibung der Studiofotografie sein (das können Krolop & Gerst viel besser!), sondern ein kleiner Erfahrungsbericht meines ersten und zweiten Versuchs, der anderen vielleicht ein bisschen die Hemmung vor dem Thema nimmt und zum Ausprobieren anregt. Wieviel ich ausprobiert habe, sieht man an den Bildnummern ...

Hintergrund

Sich bei Hintergründen auf ein weißes, graues oder schwarzes Nichts zu reduzieren ist die einfachste Form - in diesem Fall schwarz für Low KeyHigh Key / Low Key
In der Fotografie gibt es die gestalterischen Stile "High Key" und "Low Key". Während bei "High Key" die hellen Bildbereiche vorherrschen und einige Teile ganz weiß sind, herrschen bei "Low Key" die dunklen Bildbereiche und schwarzen Bildteile vor. Man darf allerdings beides nicht mit Unter- oder Überbelichtung verwechseln.
-Bilder - und beantwortet quasi schon die allererste Frage: Was machen mit dem Hintergrund, der vom eigentlichen Motiv ablenkt (oder einfach nicht so gut aussieht)?

Schwelle des Lichts
Split Lighting und spielen mit der Lichtebene, die dunkle Seite ist mit einem schwachen Blitz - naja, aufgehellt
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/80s

Deshalb habe ich mir letztes Weihnachten einen faltbaren Hintergrund gewünscht - woraus auch eben dieses spontane Shooting entstand. Ausgeklappt 145x200cm, zusammengefaltet mit 65cm Durchmesser leicht zu transportieren. Bettlaken eignen sich für erste Versuche aber auch ziemlich gut.
Alles andere verlangt meiner Meinung nach viel LichtstärkeLichtstärke
Ist ein Begriff zur Beschreibung einer maximalen Offenblende eines Objektivs. Ein sehr kleiner Blendenwert entspricht einer sehr offenen Blende und wiederum Lichtstärke.
Offene Blenden ermöglichen nicht nur das Fotografieren mit wenig Licht, sondern auch Bilder mit extrem flacher Schärfeebene und entsprechend starken Unschärfen in Hinter- und Vordergrund des Motivs.
des Objektivs (nicht immer in der Tasche von Amateuren), damit Formen und Strukturen im Hintergrund unscharf werden und das eigentliche Motiv freigestellt wird, und ziemlich viel Erfahrung bei der Auswahl des Hintergrunds und damit auch der Location.

Beleuchtung

Anfänger reduzieren sich gerne auf den AufklappblitzAufklappblitz
Der kleine eingebaute Standardblitz vieler Kameras, der seinen Namen seiner Eigenart, ein- bzw ausklappbar zu sein, verdankt.
, Amateure wissen meist schon das „Available LightAvailable Light
Entspricht der wörtlichen Übersetzung: verfügbares Lichts. In der Fotografie bedeutet das nicht nur das wenige Licht in Innenräumen oder Dämmerungsphasen, sondern auch die Nutzung vorhandener Lichtquellen, wie die Sonne, die durch ein Fenster scheint, oder einen Kronleuchter in einem Foyer.
“ bewusst zu nutzen oder verwenden einen AufsteckblitzAufsteckblitz
Ein Blitzgerät, das über den Blitzschuh auf der Kamera montiert wird.
. „Available Light“ ist dabei allerdings wie der Hintergrund eine Frage von Erfahrung und Location, also nicht einfach in jedem Wohnzimmer zu erreichen.
Also Aufsteckblitz nutzen, und zwar „entfesseltEntfesseltes Blitzen
Normalerweise ist der Blitz an die Kamera "gefesselt". Entfesseltes Blitzen beinhaltet also das Lösen des Blitzes von der Kamera, womit Beleuchtung aus unterschiedlichen Winkeln und Höhen möglich ist - und eben nicht nur frontal von oberhalb der Kamera.
“! Entfesselt blitzt es sich mit einem Aufsteckblitz entweder über Funkauslöser oder Infrarot, wobei letzteres immer etwas unzuverlässig (und daher unendlich nervig) ist.

Klassiker
Ein bisschen mehr Balance zwischen dunkler und heller Seite
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/100s

Da Blitzgeräte ein sehr hartes Licht und ebenso harte Schatten verursachen, empfehle ich grundsätzlich entweder „BouncingBouncing
"Bouncing" bedeutet, dass man das Blitzlicht nicht direkt auf das Objekt fallen, sondern z.B. von der Decke reflektieren lässt. Dadurch wird das Blitzlicht etwas mehr gestreut und wirkt deutlich weicher in Schattenwurf und Ausleuchtung.
“, einen DiffusorDiffusor
Ein Diffusor ist ein Hilfsmittel für das Blitzgerät und bewirkt eine Streuung des Lichts. Dadurch werden das Blitzlicht selbst, Kontraste und Reflexe weicher.
oder eine SoftboxSoftbox
Eine Softbox verpackt den Blitz, damit das Blitzlicht eingefangen und über Reflexion und Projektion auf eine weiße Fläche gleichmäßig weich wieder freigegeben werden kann.
. Ich bevorzuge die Aurora Firefly II, eine kleine, schnell montierbare Softbox mit Halterung und Blitzschuh - oder ich "bounce" einfach über das weiße Kärtchen, das aus meinem Blitz oben rauskommt.
Bei allen Beispielbilder wurden für beide Lichtquellen Softboxen verwendet.

Setup

Eine Lichtquelle reicht schon für gute Aufnahmen. Ich finde zwei, idealerweise mit etwas verschiedener Stärke, sind schon klasse und bieten richtig viele Möglichkeiten zum Ausprobieren.

Erstmal fange ich mit den Kameraeinstellung an entsprechend folgender kleiner Checkliste: Grundeinstellung Manuell (M), ISO so niedrig wie möglich, Belichtung im Rahmen der SynchronisationszeitSynchronisationszeit
Die Synchronisationszeit beschreibt die Belichtungszeit, in der Kamera und Blitz synchron ausgelöst werden können - in der Regel zwischen 1/60s und 1/250s.
zwischen Blitz und Kamera (bei mir perfekt zwischen 1/60 und 1/200). Dann passe ich die Grundeinsstellung an, bis das vorhande Raumlicht keine oder kaum Konturen mehr erkennen lässt.

Jetzt kommt der Blitz: Bevor ich die Stärke einstelle, überlege ich mir die einzelnen Position bzw Bewegungsbereiche von Model und Kamera/Fotograf und die entsprechenden Richtungen, aus denen das Licht kommen soll.

 
Lichtsetup
Licht 1 deutlich stärker als Licht 2
Photoshop Elements und Maus, Notizzettel-Vorlage (Fund im Netz)
Selfie als Testbild
Für ein anderes Shooting, nichtsdestotrotz kein schlechter Test
Canon EOS APS-C, Canon EF 40mm f2.8 STM Pancake, Manuell (M), ISO100, f4, 1/160s

Die Blitzstärke und -streuung stelle ich immer manuell ein, einfach, weil es ein großartiger Lerneffekt und großer Spaß ist, unterschiedliche Einstellung auszuprobieren.
Bei Portraits beginne ich gerne mit klassischen Setups und Ausleuchtung des Gesichts (zumindest seit ich weiß, dass es so etwas gibt), z.B. RembrandtRembrandt Lighting
Beleuchtungssetup in der Fotografie, mit welchem eine klassische Ausleuchtung für Portraits erreicht wird. Besonderes Kennzeichen der Rembrandt-Ausleuchtung ist neben der Zweiteilung des Gesichts in Licht und Schatten das charakteristische Dreieckslicht unter dem im Schatten liegenden Auge.
, SplitSplit Lighting
Einfaches Beleuchtungssetup in der Fotografie, bei dem das Hauptlicht im 90°-Winkel zum Model plaziert wird, oft kombiniert mit leichter Aufhellung im 45°-Winkel auf der anderen Seite (z.B. durch einen Reflektor).
(Ausgangslage für die Beispielbilder) oder LoopLoop oder Paramount Lighting
Einfaches Beleuchtungssetup in der Fotografie, bei dem das Hauptlicht fast direkt vor dem Model (etwa im 15°-Winkel) platziert wird und ist eine der am häufigsten genutzten Setups bei Portraits.
, und probier Details, Änderung und Kombinationen dann spontan aus.

Das Shooting

Klassisch sind Beleuchtung und Kameraposition sehr statisch, so auch die Position, die das „Model“ einnimmt. Natürlich sollte man sich überlegen, was man erreichen möchte und Lichtsetup, Kameraposition, etc entsprechend auswählen.
Aber das geht genauso spontan, wie sich danach auf einen flexiblen Dialog mit seinem Model einzulassen, Kamera und Model (natürlich in einem sinnvollen Rahmen) bewegen und so individuelle Ergebnisse zu erreichen.

Ok, mit dem faltbaren Hintergrund von 140x200cm kann das Model natürlich keine Spaziergänge machen, aber sich jederzeit gerne drehen oder aus Lichtebenen etwas hinaus- oder hineinlehnen.
Außerdem darf man nie vergessen, dass ein gutes Portrait auch ein gutes „Catch LightCatch Light
Reflexion des Lichts im Auge des Models
“ ausmacht. Bei aller Spontanität sollten offene Augen auch das Licht einfangen.

Post-Processing

Ich verwende eigentlich nur Adobe Lightroom, für diese Bilder Version 5, da ich vor allem digital fotografieren möchte und nicht digital malen. Für die wenigen Retuschen kleinerer Hautunreinheiten, leichtes lokales Aufhellen, Abdunkeln oder Weichzeichnen oder das Betonen der Augen ist Lightroom für mich genau richtig.

Look, this is my daughter
Klassiches Split Lighting mit ein bisschen Catch Light im "dunklen" Auge.
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/80s

Für ein wenig mehr Glamour oder wenn eben nicht ein Teenager, sondern vielleicht schon eine etwas reifere Frau oder mehrere Gesichter vor der Linse stehen, setze ich seit neuem gerne Portrait Professional ein - weil es Gesichter automatisch erkennt und viel Lightroom/Photoshop Pinselarbeit abnimmt.

Das Ergebnis

Schwarzweiß oder farbig, Portraitaufnahmen, Close-ups, etwas mehr oder gar den ganzen Körper - oder eine Collage mehrer Einzelbilder.

Collage
Eine Collage, ein Filmstreifen, vom großen Bild für die Zimmerwand bis zum Banner in Social Networks ...

Für ein spontanes Shooting am Weihnachtsabend finde ich diese Ergebnisse gar nicht schlecht. Übrigens eignet sich ein ähnliches Setup mit einem entfesselten Blitz + Firefly auch hervorragend für Shootings im Freien - vielleicht gibt es diesbzgl auch mal einen Blogpost, der dem Blogtitel etwas näher kommt.

Hilfe bei Problemen

Weiße Bilder entstehen, wenn man Belichtung und ISO der Kamera überlässt. Da Kamera und Blitze nichts voneinander wissen, stellt sich die Kamera auf die natürlichen (dunklen) Lichtverhältnisse ein. Blitze überstrahlen dann das Bild derart, dass ein weißes Bild das Resultat ist.

Weißer Hintergrund wirkt grau. Low Key-Bilder sind etwas einfacher vom Lichtsetup, da der Hintergrund nicht ausgeleuchtet werden muss (aber natürlich kann). Ein nicht extra ausgeleuchteter weißer Hintergrund wirkt allerdings in 90% aller Fälle tatsächlich eher grau, weshalb sich bei High Key-Bildern eine extra Lichtquelle für den Hintergrund empfiehlt.

Blitz löst nicht aus. Bevor ich mir die Yongnuo RF603 Funkauslöser gegönnt habe (empfehlenswert), hatte ich dieses Problem regelmäßig. Eine Canon-Kamera über Infrarot mit einem entfesselten Blitz sprechen zu lassen ist schon nicht ganz einfach (Q-Taste -> Blitzeinstellung -> Manueller Drahtlosblitz), aber dann auch noch innerhalb der Reichweite des Infrarots sich zu bewegen ...

Schwarze Balken am unteren Bildrand sind das Resultat der zu langsamen Blitzsynchronisationszeit. Dafür können Blitz und Kamera reichlich wenig, da es ein fester Wert ist, den der Fotograf mit der Kamera nicht überschreiten sollte (bei Canon in der Regel min. Belichtungszeit 1/200).

Ausrüstung

Kamera habe ich quasi nur eine, meine Canon EOS 650D, die eigentlich auch gar nicht schlecht ist (~mir einred~).

Objektive sind je nach gewünschtem Ergebnis, verfügbarem Raum, etc natürlich viele möglich. Ich bevorzuge mein Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro oder mein Canon EF 40mm f2.8 STM Pancake für Portraits, da sie wenig verzeichnen und hervorragende Abbildungsqualität bieten.
Coole Effekte (passt hier vielleicht nicht unbedingt) kann man allerdings auch mit einem Ultraweitwinkel erreichen, z.B. um Tiernasen riesig wirken zu lassen, o.ä.

Kamerastativ verwende ich nur teilweise für so ein Setup. Normalerweise verziehe ich mich hinter die Kamera und brauche kein Stativ, sondern suche den Dialog mit dem Model als Teil der Kamera. Manchmal lasse ich die Kamera aber irgendwann einfach auf dem Stativ, stelle mich neben das Model und versuche quasi direkt auf die Szenerie einzuwirken - bei Menschen spaßig, bei Tieren einfach sinnvoll.

Beleuchtung besteht bei mir meistens aus entfesselten Aufsteckblitzen YN-560 Mark III von Yongnuo, die ich auf Stativen montiere, mit Aurora Firefly II als Softbox oder Bouncing. Manchmal nehme ich noch meinen Studioblitz hinzu, der allerdings immer etwas mehr Platz wegnimmt und lange nicht so schnell aufgebaut ist.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Venedig. Bekannt für sein Filmfest Biennale, die Hoch­zeit George Clooneys, durch die Kanäle dampfende Kreuz­fahrt­riesen. Ziel für Besucher aus aller Welt, Tagesausflug einer jeden Abschlussfahrt nach Caorle, der deutschen Union Lido Camper.
Also eigentlich zum Fernbleiben. Show text

Beschreibung

Eigentlich dachten wir, dass die Kreuzfahrtschiffe seit diesem Jahr nicht mehr erlaubt sind und mit ihren 24Std laufenden Motoren (ohne Partikelfilter) die Luft nicht mehr verpesten. Das war zwar ein Irrtum (Herbst 2014), dafür hat Venedig alle anderen Klischees widerlegt und sich eigentlich so gar nicht als dieses seit 100 Jahren nur auf Massenabfertigung von Touristen ausgelegte Etwas präsentiert.
Insgesamt haben wir zwei volle Herbsttage und drei Herbstnächte in Venedig verbracht, der auf Holzpfählen gebauten Lagunenstadt, Panoptikum der Synthese aus venezianisch-byzantinischer Architektur, Renaissance und Barock. Allerdings möchte ich der Beschreibung unseres Ausflugs einen anderen Blogeintrag widmen und hier das Gegenstück zum typischen Tagesausflug der Sommerurlauber und Kreuzfahrtgäste beschreiben - einen Nachtausflug.

Sonnenuntergang

Das VaporettoVaporetto
(wörtlich: Dampfer) Bus und Bahn von Venedig, nur eben als Boot auf dem Wasser. Das Netz verbindet alle Inseln und Stadtteile der Lagune miteinander und funktioniert wie ein U-Bahnnetz.
bringt uns dem Sonnenuntergang entgegen vom Lido di VeneziaLido di Venezia
Lido kommt vom Lateinischen "litus" = Strand, Küste.
Der Lido di Venezia ist der mittlere Teil des schmalen Landstreifens, der die Lagunenstadt Venedig vom offenen Meer trennt und insgesamt von Jesolo im Norden bis Chioggia im Süden reicht. Im 19. Jh. ein mondänes Seebad mit luxuriösen Hotels ist es mittlerweile chic für, auf Lido ein Wochenendhaus oder eine Ferienwohnung zu besitzen - wer es sich leisten kann natürlich.
Richtung Centro Storico. Der leichte Dunst über der Stadt taucht den Hintergrund in die zarten Farben zwischen goldener Stunde und Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang
Der Start in die Nacht Venedigs, die untergehende Sonne über dem Canal Grande
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, AutoISO (ISO100), 35mm, f11, 1/125s

Entlang der Uferpromenade des Stadtteils Il Castello und den davor liegenden Luxusyachten nähern wir uns dem Eingang des Canal GrandeCanal Grande
Der Canal Grande ist die ca. 4km lange Hauptwasserstraße des Centro Storico der Lagunenstadt Venedig und ist links wie rechts über seine ganze Länge von Palästen gesäumt, die über die Jahrhunderte aus dem Reichtum Venedigs entstanden sind. Derzeit überspannen vier Brücken den Canal Grande, die berühmteste ist die Ponte di Rialto.
Für jeden Besucher empfiehlt sich mindestens eine Fahrt mit dem Vaporetto Linea 1 von S.Zaccaria bis P.Roma.
, eingerahmt vom Palazzo DucalePalazzo Ducale (Dogenpalast)
Der Dogenpalast war seit dem 9. Jh. Regierungssitz der Republik Venedig und ist heute noch als Museum Ausdruck von Macht und Reichtum der Lagunenstadt. Der Palast präsentiert eindrucksvoll die für Venedig typischen, über die Jahrhunderte verschiedenen Architekturstile von der byzantinischen Kunst bis zur Renaissance und gilt als einer der bedeutendsten weltlichen Bauten der Gotik überhaupt.
Seine Lage direkt an der Basilica di San Marco steht auch für die (natürlich zweckmäßige) Verbindung der weltlichen Macht der Dogen und der katholischen Kirche.
und der Piazza di San MarcoPiazza di San Marco (Markusplatz)
Der "schönste Festsaal Europas" nannte Napoleon den Markusplatz, den berühmtesten Platz Venedigs.
Ergebnis einer meisterhaften Stadtplanung der Republik Venedig ist der 175m lange und bis zu 82m breite Platz eingerahmt von den ehemaligen Verwaltungsgebäudekomplex aus Procuratie Vecchie und dem Torre dell'Orologio im Norden, Procuratie Nuove im Süden mit dem berühmten Caffè Florian in seinen Arkaden und der Ala Napoleonica im Westen, in der heute der Zugang für Besucher zum Museumskomplex und der Biblioteca Nazionale Marciana ist. Im Osten grenzen an den Platz die Basilica di San Marco mit ihrem Campanile und der Palazzo Ducale, an welchem entlang die Piazzetta zum Wasser führt.
rechts und dem barocken Kuppelbau der Kirche Santa Maria della SaluteSanta Maria della Salute
Der barocke Kuppelbau hinter der Punta della Dogana an der Spitze des Stadtteils Dorsudoro ist eine Votivkirche, die zum Dank der Beendigung der Pest im 17. Jh. an der Einfahrt des Canal Grande schräg gegenüber des Palazzo Ducale gebaut wurde. Im nüchternen Innern bilden prachtvolle Altare das Rund unter der großen Kuppel mit Gemälden venezianischer Renaissance-Künstler wie Tizian und Tintoretto. Der Hauptaltar erinnert metaphorisch an die Rettung vor der Pestepdiemie.
links (Bild oben).
Wer genau Vorfahrt hat bei dem für Besucher chaotisch wirkenden, aber sehr gut funktionierenden Wasserverkehr, ist unklar. Aber irgendwie organisieren sie sich, Vaporetti, Taxi, Gondole (Bild unten), auf der Lebensader von Venedig.

Le Gondole
Chaotisch wirkender, aber sehr gut funktionierender Wasserverkehr
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), 35mm, f11, 1/50s

Bei San Giorgio, der erste Anleger des Stadteils San Marco im Canal Grande, steigen wir auf das zweitwichtigste Fortbewegungsmittel in Venedig nach den Vaporetti um - die eigenen Füße - und schlendern gemütlich der blauen StundeBlaue Stunde (Blue Hour)
Die blaue Stunde bezeichnet den Zeitraum der Dämmerung zwischen nächtlicher Dunkelheit und Sonnenauf- bzw -untergang, während der das tiefe Blau des Himmels etwa die gleiche Leuchtkraft besitzt wie die künstliche Umgebungsbeleuchtung, z.B. Straßenlaternen. Die Dauer ist auf unserer Nordhalbkugel im Winter etwas länger als im Sommer, aber leider meist deutlich kürzer als eine Stunde - nur in den Polarregionen kann dieses Licht- und Farbenspiel bis zu mehreren Stunden dauern.
auf der Piazza di San Marco entgegen.

San Marco

Die Piazzetta ist der kleine Platz zwischen Campanile und Palazzo Ducale, dessen Anleger schon viele berühmte und wichtige Personen der Geschichte begrüßte (Bild unten links). In den hübsch beleuchteten Arkaden der dem Palast gegenüberliegenden Procuratie NuoveProcuratie Vecchie e Nuove
Die Prokuratien sind die ehemaligen Verwaltungsgebäude der Republik Venedig, säumen die Piazza di San Marco im Norden und Süden und beherbergen heute Museen und in ihren Arkaden teure Cafès und Geschäfte.
sind viele edle Geschäfte noch geöffnet.
Der 98,6m hohe Campanile der Basilica di San Marco (Bild unten rechts) ist übrigens am 14. Juli 1902 eingestürzt und wurde genau, wie und wo er war (»com'era e dov'era«), im Stile des 16. Jahrhunderts wieder aufgebaut.

 
Piazzetta
Ankunft an der Piazzetta am Palazzo Ducale
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 10mm, f8, 1.3s - Stativ
Campanile
»Com'era e dov'era«
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 10mm, f8, 8s - Stativ

Durch die Gassen von San Marco Richtung Ponte di RialtoPonte di Rialto (Rialtobrücke)
Die Ponte di Rialto überspannt in ihrer heutigen Form aus dem 16. Jh. als 48m langer Bogen mit einer Durchfahrt von 28,8m Breite und 7,50m Höhe den Canal Grande und verbindet die Stadtteile San Marco und San Polo.
Lange existierte keine Brücke über den Canal Grande. Seit dem 12. Jh. wurden mehrere Holzbrücken gebaut, die allerdings Feuer und schneller Verrottung zum Opfer fielen. Im 16. Jh. kam dann der Entschluss zu einer Steinbrücke.
Die Fundamente der Ponte di Rialto, zu dessen Bau sich auch Michelangelo bewarb, dieser aber lokal vergeben wurde, wurden auf 12.000 Holzpfählen gebaut.
schlendernd entdeckten wir, dass es auch in Venedig ein Rossopomodoro ("l'autentica pizza napoletana verace") gibt und für uns eine kleine Pause, eine Pizza "San Marzano" (pomodoro, mozzarella e basilico - non ho bisogno più) und ein Gläschen Rotwein.

Rialto

Der Blick von der Ponte di Rialto auf den Canal Grande und den Palazzo Dolfin-ManinPalazzo Dolfin-Manin
Der Palazzo Dolfin-Manin wurde im 16. Jh. im Auftrag der Dolfin-Familie erbaut und war Wohnsitz des letzten Dogen von Venedig, Ludovico Manin.
Auffällig sind die Fassade aus weißen istrischen Stein und die schönen Arkaden im Erdgeschoss, durch welche der Fußweg am Canal Grande führt (= Sottoportego).
mit seinen schönen Arkaden im Erdgeschoss ist nachts besonders schön (Bild unten) - und die Umgebung ebenso belebt wie die Piazza di San Marco.
Die Tische der hell beleuchteten Restaurants direkt am Canal Grande sind voll belegt mit Gästen, und die Gondeln säumen das Ufer und überlassen die Wasserstraße den Vaporetti.

Canal Grande
Der Blick von der Ponte di Rialto auf den Canal Grande, hell beleuchtete und voll belegte Restaurants
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 13mm, f5.6, 8s - Stativ

Accademia

Von Rialto bringt ein Vaporetto (regelmäßige Fahrtzeiten bis spät in die Nacht) Nachtschwärmer den Canal Grande entlang zurück - in unserem Fall zur Ponte dell'AccademiaPonte dell'Accademia
Die Ponte dell'Accademia verbindet die Stadtteile Dorsoduro und San Marco und wurde als eine Eisenbrücke im Design der englischen Besatzungmacht im 19. Jh. gebaut. Im 20. Jh. ersetzte eine Holzbrücke dieses Relikt der Besatzungszeit.
Ihren Namen verdankt sie der berühmten Gemäldesammlung der Stadt, Galerie dell'Accademia, in deren unmittelbarer Nähe sie liegt.
mit vielleicht sogar noch schönerem Blick auf den von Palästen und Santa Maria della Salute eingerahmten Canal Grande im Mondschein (Bild unten).

Canal Grande
Der vielleicht sogar noch schönere Blick von der Ponte dell'Accademia auf den von Palästen und Santa Maria della Salute eingerahmten Canal Grande
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO200, 13mm, f5.6, 4s - Stativ

Dorsoduro

Die VotivkircheVotivbau
(lat. votum = gelobtes Opfer, Gelübde)
Votivbauten sind Bauten, deren Bau als Gelübde ausgesprochen wurde für die Erfüllung eines Gebets oder zur Rettung aus einer Notlage.
Santa Maria della Salute ist das Ziel eines kleines Spaziergangs durch Dorsoduro, dem Stadtteil südlich des Canal Grande, der durch die ein oder andere Pause für ein Glas Wein in einer kleinen Bar oder einer Enoteca versüßt werden kann (und vielleicht sollte). Besonders eignen sich aber auch die kleinen Plätzchen am Rande des Canal Grande, um frei von Restaurants und ihren Gästen, großen Plätzen und ihren Besuchern, in der Stille der Abgelegenheit den Ausblick (Bild unten) und ein Gläschen Wein zu genießen (letzeres lässt sich in Flaschen unterwegs in einem Supermercato besorgen).

Canal Grande
Kaum zu glauben, aber dieses idyllische Plätzchen gegenüber des Palazzo Corner della Ca’ Grande direkt am Canal Grande hatten wir für uns allein.
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO200, 20mm, f5.6, 6s - Stativ

Und wieder ist es ein Vaporetto, das uns von Santa Maria della Salute über den Canal Grande zum "schönsten Festsaal Europas" bringt, wie Napoleon die Piazza di San Marco nannte.

San Marco

Heute ist sie vor allem ein Treffpunkt verschiedenster Kulturen und Sprachen, murmelnder Europäer, staunender Asiaten, begeisterter Amerikaner und feiernder Italiener - ein angenehmes lebendiges Hintergrundrauschen. Der Mondschein wirkt in den Schleierwolken wie eine tief dunkelblaue Marmorierung hinter dem Palazzo Ducale und der Piazzetta (Bild unten links).
Ein paar Schritte weiter der Promenade entlang gelangt man zum Hotel DanieliHotel Danieli
Der Palazzo Dandolo wurde bereits im 14. Jh. errichtet in der unmittelbaren Nähe zum Palazzo Ducale und war seinerzeit einer der eindrucksollsten Paläste Venedigs.
Die Zeit hatte seine Spuren an dem Gebäude hinterlassen, als der Hotelier Giuseppe Dal Niel Anfang des 19. Jh. das Gebäude in ein Hotel verwandelte, ihm einen neuen Glanz und seinen Spitznamen "Danieli" verlieh.
und seiner beeindruckenden Empfangshalle, die einen kurzen Blick in die 5-Sterne-Welt Venedigs zulässt (Bild unten rechts).

 
Piazzetta
Wieder zurück an der Piazzetta, aber die Nacht ist noch nicht vorbei!
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 10mm, f8, 8s - Stativ
Hotel Danieli
Das mondäne Hotel Danieli
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO3200), 10mm, f5.6, 1/15s

Von der Promenade vor dem Palazzo Ducale hat man einen schönen freien Blick auf San Giorgio MaggioreSan Giorgio Maggiore
Südlich vor San Marco und neben La Giudecca gelegene Insel und Ort eines Benediktinerklosters und der namesgebenden Kirche Basilica di San Giorgio Maggiore.
Ursprünge des Klosters reichen bis ins 10. Jh. zurück, das heutige "Gesicht" aus Kirchenfassade und Campanile stammt aus dem 18. Jh.
(Bild unten), die Insel gegenüber von San Marco und Sitz eines Benediktinerklosters.

San Giorgio Maggiore
Blick aufs Meer
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO100, 29mm, f5.6, 8s - Stativ

Aber wer braucht eine 5-Sterne-Welt, wenn ein Gläschen Wein (Mitbringen! Cafès in der Nähe sind unbezahlbar) im Mondschein, im "schönsten Festsaal Europas" zu Füßen des Campanile das perfekte Ende einer Nacht in Venedig sind.

Santa Maria della Salute
Sie begleitete uns und leuchtete uns den Weg am Canal Grande - aber jetzt heißt es: gute Nacht!
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO100, 18mm, f5.6, 15s - Stativ

Noch ein letzter Blick auf Canal Grande und Santa Maria della Salute während der Wartezeit auf das Vaporetto - das Ende einer Nacht in Venedig.

Einkehrtipps & Nightlife

Ok, Venedig ist teuer - fast immer. Ich glaube, die folgenden Tipps helfen ein bisschen ...

Pizza gut und einigermaßen günstig: Findet man im Rossopomodoro, Calle larga San Marco, 404, Venezia (San Marco). Außerdem finden sich dort (meist junge) Venezianer und Touristen in einer bunten Mischung.
Ein Gläschen Wein: Dafür und für einen kleinen Snack empfiehlt sich das Corner Pub, Calle della Chiesa, 684, Venezia (Dorsoduro).
Cicchetti: Das sind die in Venedig typischen kleinen "Häppchen", die überall dort am besten schmecken, wo sie eben nicht durch Fotos oder große Theken präsentiert werden - pragmatisch, zweckmäßig, kühl, im engen Gässchen, aus dem nur Italienisch schallt.

Essen und Trinken in der Öffentlichkeit: Offiziell verboten und doch geduldet gehört es zu den angenehmsten Arten, einen Abend in Venedig zu verbringen - z.B. mit einem Schälchen Oliven, einem Happen Käse, ein paar Cicchetti ("a portare via") und einem Breezer oder Gläschen Wein. Aber bitte den Müll wieder mitnehmen bzw aufräumen (»Venezia è anche tua, rispettala!«).

Übrigens: Das so hochgelobte Eis der Gelateria Nico an der Fondamente Zattere im Stadtteil Dorsoduro halte ich für völlig überschätzt, wenn nicht gar enttäuschend.

Allgemeine Infos

»Venezia è anche tua, rispettala!«: Die Erhaltung und die Sauberkeit der Stadt ist die Verantwortung eines jeden Besuchers.

Parken: Sollte man in den bewachten Parkhäusern in Mestre auf dem Festland. Dort kostet eine Woche kaum mehr als auf Tronchetto ein Tag und der Pendelbus zur Piazzale Roma ist zuverlässig.

Übernachten: In der Altstadt ist es bestimmt unglaublich schön und romantisch, aber ein gewisser Standard (eigenes Bad, etc) ist aber sehr teuer. Günstiger wohnt man auf Lido di Venezia - ich kann nur das B&B Ca' Noemi empfehlen.

Öffentliche Verkehrsmittel: Das Vaporetto ist quasi Bus und Bahn in Venedig. Aktuelle Fahrpläne und -zeiten finden sich auf www.actv.it, eine Tages- oder Mehrtagesfahrkarte bekommt man auf www.veneziaunica.it.
Lido di Venezia hat hervorragende Busverbindungen über die gesamte Insel (auch bis spät in die Nacht), die alle zum Vaporetto-Anleger führen und entsprechend guter Verbindung zur Altstadt.

Rosenverkäufer: Tauchen leider auch hier auf und sind besonders dreist - also schonmal üben, die Damen: die Hände geschlossen hinter den Rücken, wenn eine Rose entgegengehalten wird.
Und wenn das nicht hilft, ein böser Blick und ein unfreundliches "chiamo i carabinieri" vertreiben auch die aufdringlichsten Zeitgenossen.

Ausrüstung: Nichts besonderes, Schuhwerk sollte tauglich für Stadtspaziergänge sein.

Fotoausrüstung: Canon EOS 650D, EF-S 18-135mm IS STM, EF-S 55-250mm IS STM, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM - und natürlich mein kleines Siriu Reisestativ

Für das nächste Mal: Tagsüber Schnappschüsse einer Gondel oder Besucher mit maximaler Belichtungszeit (z.B. ~1/500s) fotografieren, um die Bewegungen vollständig einzufrieren, Bewegungsunschärfen zu vermeiden und stattdessen höhere ISO-Werte in Kauf zu nehmen - ok, für das Thema "Venice by Night" eher unwichtig.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.