Freitag, 26. September 2014

Der Herbst ist die Jahreszeit für Fotografen: Streiflicht, tiefstehende Sonne, Nebel, Morgentau - und eben noch nicht so kalt für Finger und Equipment.
Der Herbst hat begonnen und ich möchte schon ein paar Impressionen teilen (auch wenn sie aus dem letzten Jahr sind). Show text

Beschreibung

Zum wirklich guten Fotografen fehlt irgendwie immer etwas. Natürlich kann man immer meckern, über das Equipment (besser geht immer), über das Licht, über das Wetter.
Mir fehlt aber eindeutig eine ganz wichtige Grundlage: das Frühaufstehen ~gähn~

Sonnenaufgang

Ein bisschen gilt mein Neid denen, die zum Sonnenaufgang eines Herbstmorgens über die Hügel der Toskana schauen können. Aber zuhause kann es auch schön sein - so wie letzten Herbst, als ich das neu angeschaffte Makro auszuprobierte.
Morgentau, also natürliche kleine Wassertropfen, das war das Ziel. Der Morgen begrüßte mich auch mit der richtigen Herbststimmung - strahlend blauer Himmel über dichtem Nebel, der Felder und Bäume in diffuses Licht hüllte (Bild unten). Zugegeben, ich war etwas ungeduldig und hätte mit einer geschlossenen Blende (f8-f11) die ersten Strahlen der Sonne über dem Horizont einfangen sollen. Fotografie ist eben nicht nur Technik und Bildaufbau, sondern vor allem Geduld und der richtige Zeitpunkt.

Jägerstand
Die Jagd nach Morgentau
beginnt mit dem Sonnenaufgang
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), 18mm, f7.1, 1/60s

Nachdem die Sonne die Nebelschwaden vertrieben hatte, nahm das Makro seine Arbeit auf: ein Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro. Verschiedene Blenden von f2.8 bis f11, AFAutofokus (AF)
Dabei handelt es sich um die Technik, das Motiv automatisch scharfzustellen. Bei DSLRs misst dabei die Kamera über den Spiegel durch das Objektiv die Schärfe und überträgt notwendige Anpassungen elektronisch an das Objektiv.
-Zusammenspiel mit der Kamera, und natürlich BokehBokeh
Dieser Begriff beschreibt in der Fotografie die Qualität des Unschärfebereichs, die sich vor allem in Kontrastverhalten, Kantendarstellung, Rundheit und Gleichmäßigkeit der Unschärfen sowie Farbsäumen und -fehlern feststellen lässt.
waren das Hauptaugenmerk.

Morgentau

Da ich außerhalb des Studios fast ausschließlich mit dem Available LightAvailable Light
Entspricht auch genau der wörtlichen Übersetzung, nämlich Fotografieren mit verfügbarem Licht ohne künstliche Lichtquellen wie Dauerlicht oder Blitz.
fotografiere, gilt natürlich, genau das auch zu nutzen. D.h. ich suche Motiv und Kameraposition zum Motiv so aus, dass ich die Sonne und ihre natürlichen Reflektionen gezielt einsetzen kann. Bei der Makrofotografie-typischen dichten Position am Motiv gilt ein bisschen die Vorsicht, nicht selbst Schatten ins Bild zu werfen.

Pusteblume
Noch lässt die Sonne, das Available Light, ein bisschen auf sich warten.
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), f4, 1/160s (aus der Hand)

Natürlich sind die glasklaren Wasserperlen und kleinen Spinnweben in der Pusteblume (Bild oben) sehr gut herausgekommen, gut scharf, guter Kontrast. Aber besonders der Übergang in den grünen Hintergrund und das Bokeh haben mich positiv überrascht.

Winterschlaf
Autofokus und Schärfeebene sitzen wie gewünscht - ich find dieses Tamron klasse!
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO400), f4, 1/125s (aus der Hand)

Auch hier (Bild oben - ist das eine nie aufgewachte Löwenzahnblüte?) sind die Wasserperlen knack scharf, der AF passt und hat die Schärfeebene genau wie gewünscht gesetzt.
Beim folgenden Foto (Bild unten) ärgere ich mich ein bisschen, dass ich zum krönenden Abschluss zwar das Stativ aufgebaut habe, aber bei der Blende f4 geblieben bin - hätte ich doch auch gerne die Wasserperlen im Vordergrund scharf gehabt.

Klee
A bit too much - eine Blende f8 hätte den Klee zum Glücksklee gemacht ...
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO250), f4, 1/125s, leichtes Reisestativ, kein Makroschlitten

Dafür war ich (und bin immernoch) hochzufrieden mit der Neuanschaffung. Die Bildqualität ist von f2.8 bis f8 sehr gut, mit f11 geht sie aber sehr rapide bergab (für APS-C aber auch eher seltene Blendenwerte). Der AF trifft fast immer und ist sehr zuverlässig - abgesehen vom gelegentlichen Pumpen im »Full«-Modus.

Ich freue mich schon auf die erste herbstmorgentliche Fotosession dieses Jahr - vielleicht dann auch mit typischen »goldener Herbst«-Bildern.

Tipps

(oder auch »Merke für das nächste Mal«)
Der »Goldene Herbst« ist vor allem warme Farben des langsam bunt werdenden Laubs, das noch an Bäumen hängt, aber auch schon ein wenig den Boden bedeckt.

Aber für den Fotografen gibt es noch ein paar Dinge, die vor allem im Herbst leichter greifbar sind als in anderen Jahreszeiten:

  • Morgentau
    Wie bereits in diesem Blogeintrag gezeigt, mit einem nebligen Herbstmorgen gibt es auch gute Chancen, die kleinen Wasserperlen des Morgentaus auf Blüten, Blättern, Spinnweben, Pilzkappen, etc einzufangen (ohne sie mit einem Zerstäuber faken zu müssen.
  • Pilze
    Pilzkappen sind hier wohl das Stichwort, denn natürlich bieten unsere Wälder vor allem im Herbst ein reiches Angebot an Pilzen.
  • Wein
    Die prallen Trauben kurz vor der Weinlese an Reben, deren Blätter sich vielleicht auch schon verfärben. Nur im Glas kann man Wein noch schöner einfangen.
  • Nebel
    Nebel bietet quasi einen natürlichen DiffusorDiffusor
    Ein Diffusor ist ein Hilfsmittel vor oder um das Blitzgerät und bewirkt eine Streuung des Lichts. Dadurch werden das Blitzlicht selbst, Kontraste und Reflexe weicher.
    für das Sonnenlicht. Das besondere ist, dieser Diffusor ist Teil der Szenerie, lässt Motive mysteriös, Landschaften atmosphärisch und das Licht stimmungsvoll erscheinen.
Und nun noch ein paar einfach Merker: Ich freue mich schon auf Ausprobieren, Lernen, und Ausprobieren, Lernen, ...

Infos

Begleitet hat mich bei diesem Herbstmorgenspaziergang:
Canon EOS 650D, das dazu passende Immerdrauf EF-S 18-135mm STM und das Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro.

Das Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro ist nicht nur mein Macro, sondern auch mein bevorzugtes Portraitobjektiv. Vom vergleichbaren Sigma hebt es sich durch den besseren Bildstabilisator und die kürzere Brennweite (bei APS-C natürlich ein Argument) ab. Obwohl es nicht ganz die Klasse des Canon EF 100mm f2.8L Makros hat, so ist es optisch doch in der gleichen Liga (für den halben Preis) und eben etwas kürzer.
Meine Meinung kann (vermutlich wird) sich aber ändern, denn der Canon-Unterschied macht sich spätestens mit den AFs einer Canon EOS 5D Mark III oder 7D Mark II wirklich bemerkbar.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 24. September 2014

Die Toskana, wunder­schö­ne Land­schaften, Städte als Gesamt­kunst­werke, die Wiege unserer Kultur, Geburtsort der Renaissance und des Humanismus, Ziel für Kultur­reisende, Wein­kenner, Fein­schmecker ...
Aber wie bringt man zwei Teenager dazu, mit auf eine Tagestour zu gehen? „Grazie a Ezio Auditore.“
Show text

Beschreibung

Assassins Creed 2 spielt im (fiktiven) Italien des 15. Jahrhunderts und begeisterte damit Spieler aller Altersgruppen. Was die meisten Spieler vermutlich gar nicht wissen: Viel aus der Zeit des Mittelalters und der Renaissance ist heute noch konserviert – z.B. in alten „BorgiBorgo
Befestigter Ort, dessen oft mittelalterlicher Kern innerhalb der Stadtmauern konserviert wurde.
“.
Wo könnte man also mit dem Erkunden besser anfangen als im Heimatort von Ezio Auditore, dem Protagonisten des Videospiels - so wie wir im Juni 2012.

Monteriggioni

Auf einem Hügel tront MonteriggioniMonteriggioni
Die Gemeinde mit über 9000 Einwohnern (Stand 2012) in der Provinz Siena liegt auf dem Hügel „Monte Ala“ an der historischen „Via Francigena“ ist bekannt für seinen alten Ortskern und der Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert.
wie eine Festung, ursprünglich errichtet von der Republik SienaRepublik Siena
Im Jahr 1147 stellte sich die Bürgerschaft Sienas gegen Bischöfe und Feudaladel und rief die freie Kommune aus. Siena wurde zur Republik und bis ins 16. Jahrhundert neben Florenz (mit der sie ständig in Konkurrenz stand) die einflussreichste Stadt der Toskana - dessen Zeugen heute noch (unter vielen anderen) der Dom „Cattedrale di Santa Maria Assunta“, der Palazzo Pubblico mit seinem „Torre del Mangia“ und die älteste Bank der Welt „Monte dei Paschi“ sind.
als Verteidigungsstützpunkt gegen Florenz. Die Stadtmauer mit ihren elf Tor- und Wachtürmen (um 1200) ist nahezu komplett erhalten, und inzwischen darf man auch wieder hinaufklettern (täglich, €3 p.P. ab 12J).

La Vista d'Auditore
Der Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit - hier fehlt die Villa d'Auditore
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), f11, 1/200s, Stitched with MS ICE

Mitte Juli ist in Monteriggioni das MittelalterfestFesta Medievale di Monteriggioni
Volksfest an zwei Wochenenden im Juli mit perfekter Inszenierung mittelalterlicher Szenen und Gegebenheiten.
: Einwohner tragen alte Kostüme und spielen Gegebenheiten aus dem Mittelalter nach. Ezio Auditore fehlt allerdings (noch), gehört er doch wie auch die Villa Auditore zum fiktiven Teil von Assassin Creed 2.

 
Monteriggioni
Zwischen Touristenattraktion und verschlafener Mittelalterromantik
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), (links) 18mm, f11, 1/160s & (rechts) 34mm, f11, 1/160s

Das „Centro Storico“, der historische Ortskern, ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch zum Schlendern durch die Gassen und Klettern auf die Mauer wert - und wirkt dabei erstaunlich geräumig im Vergleich zu anderen Festungsorten.

Klatschmohn
Der Blick von Abbadia Isola auf die Türme
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO125), 18mm, f11, 1/400s

Im Stadtteil Abbadia Isola (Nebenstraße Richtung Colle di Val d'Elsa) lohnt sich ein kurzer Besuch der Abbazia dei Santi Salvatore e Cirino (gegründet 1001). Außerdem hat man von dort den vermutlich schönsten Blick auf Monteriggioni (Bild oben).

San Gimignano

Immernoch sind viele Straßen in der Toskana Schotterwege, die sogenannten „Strade BiancheStrada Bianca
Bezeichnung für die Schotterwege in der Toskana, die hell durch die Sonne beleuchtet sich wie „weiße Straßen“ durch die Landschaft ziehen.
“, wie auch hier (Bild unten) mit Blick auf San Gimignano zu sehen. Für viele ist das Netz der Strade Bianche die schönste Art, die Toskana zu entdecken - ich kann nur zustimmen.
San GimignanoSan Gimignano
Die Kleinstadt mit weniger als 8000 Einwohnern (Stand 2012) in der Provinz Siena liegt an der historischen „Via Francigena“ im Val d'Elsa. Ihr mittelalterlicher Stadtkern ist seit 1990 Teil des UNESCO Weltkulturerbes und wird wegen seiner von weitem sichtbaren Skyline der ehemals 72 Geschlechtertürme auch „Stadt der Türme“ genannt.
ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Die 14 heute noch verbliebenen GeschlechtertürmeGeschlechterturm
Einflussreiche Familien errichteten diese meist quadratischen Wohntürme zur Verteidigung im von Fehden geprägten Frühmittelalter. Die Höhe des Turms war dabei Ausdruck von Stärke und Ansehen des Geschlechts.
sind ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Bauwerke. Bieten diese Wehrtürme hinter meterdicken Mauern als Schutz nur wenige Quadratmeter Platz im Innenraum, so war ihre Höhe Ausdruck der Überlegenheit über den Nachbarn.

Skyline
Das Manhattan der Toskana mit seinen noch 14 verbliebenden Geschlechtertürmen
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), 55mm, f11, 1/250s

Von der zerstörten Burg Rocca di Montestaffoli steht nur noch ein Turm, aber ihre erhöhte Lage erlaubt einen schönen Blick über San Gimignano (Bild links unten) und seine Umgebung. Südlich der Burg geht es quer über die Piazza dell’Erbe zur Piazza del Duomo und dem Duomo Santa Maria Assunta. Im früheren Kreuzgang zwischen Dom und Rathaus geht es zum Eingang der von Fresken übersäten Chiesa Collegiata (Hauptkirche des Doms; Mo-Fr 9.30-19h, Sa 9.30-17h, Eintritt €3 p.P. ab 12J). Vom Domplatz aus sieht man das Gebäude der Ghibellini-Salvucci mit seinen Zwillingstürmen.

 
Le Torri
Links der Blick vom zerstörten Rocca di Montestaffoli, rechts von der Piazza dell Cisterna auf den Torre del Diavolo
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II

Südlich des Domplatzes ist die Piazza dell Cisterna, ein dreieckiger Platz mit der Zisterne im Zentrum. Am Platz liegen einige historische Gebäude, darunter auch der Palazzo Lupi mit seinem Torre del Diavolo (Bild oben rechts). Auch hier liegt der Ursprung des Namens in der Legende, dass der Teufel beim Bau behilflich war.

Aussicht vom »Torre Grossa«
218 Stufen zum Wahnsinnsblick auf San Gimignano und die Terre Senesi
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), 18mm, f11, 1/160s

Der „fette“ Rathausturm Torre Grossa (tägl. 9.30-19h, Eintritt €4 ab 12J) bietet nach 218 Stufen Aufstieg einen Wahnsinnsausblick auf San Gimignano und die Hügel der Terre Senesi (Bild oben und Bilder unten). Und im Gegensatz zu beispielsweise „La Cupola“ des Doms in Florenz und „Torre del Mangia“ des Rathauses in Siena ist er auch für Leute geeignet, die unter Klaustrophobie leiden.

 
Aussicht vom »Torre Grossa«
Man fühlt sich wie Ezio Auditore da Firenze
Jetzt der Adlersprung - aber wo ist der Wagen mit Heu?
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Stitched with MS ICE

Ins San Gimignano des 15. Jahrhunderts - damals soll die Skyline sogar aus 72 Geschlechtertürmen bestanden haben - wird Ezio Auditore in der Fiktion des Videospiels wegen der PazziPazzi
Im Mittelalter einflussreiche Adelsfamilie und Bankiers aus Florenz, die nach einem fehlgeschlagenen Anschlag auf die Medici („Pazzi-Verschwörung“, 1478) aus Florenz verbannt wurden.
geführt. Die gab es wirklich, und gehört ihre Fehde mit den Medicide' Medici
Untrennbar ist dieser Name mit der italienischen Renaissance und Florenz verbunden. Durch Textilhandel im ausgehenden Mittelalter wohlhabend geworden, entwickelten sich die Medici nicht nur zur Herrschaftsfamilie der Republik Florenz, sondern zu einer der einflussreichsten in ganz Europa, beeinflussten Oberhäupter im Vatikan und Thronsälen und schmückten ihre Heimatstadt mit Werken der Malerei, Kunsthandwerk und Architektur der berühmtesten Künstler ihrer Zeit.
und die Pazzi-VerschwörungPazzi-Verschwörung
Eigentlich durch die päpstlichen Bankiers in Florenz, den Salviati, initiiert ist die „Pazzi-Verschwörung“ die Verabredung des Florentiner Papstgetreuen zum Staatsstreich gegen die herrschenden Medici und ihren Einfluss in Italien. Am Ostersonntag des Jahres 1478 sollten Lorenzo und Guiliano de' Medici ermordet werden, Lorenzo allerdings entkam verwundet.
Die Verschwörer wurden durch einen wütenden Mob getötet und die Familie Pazzi aus der Stadt gejagt. Salvati, obwohl Erzbischof, wurde gehängt, was zu schweren diplomatischen Verwicklungen mit dem Kirchenstaat führte.
zwar eher nach Florenz, ist es doch ein gutes Beispiel für die Auswirkungen der Machtkämpfe zwischen Ghibellinen (Kaiser) und Guelfen (Kirche) im 14. Jahrhundert auf die toskanischen Adelsfamilien und Stadtstaaten - und bestimmt mitverantwortlich für den Bau der Türme.

Einkehrtipps

Machen wir uns nichts vor: Monteriggioni und San Gimignano gehören zu den bekanntesten Zielen in der Toskana und sind daher sehr touristisch, was wiederum in der Regel leider den kulinarischen Standard oder zumindest das Preis-/Leistungsverhältnis senkt.
Trotzdem! Gute italienische Küche gibt es in der Toskana überall, ist nur manchmal etwas schwerer zu finden. Kleiner Tipp: Italiener gehen sehr spät Abendessen, d.h. die bei den Einheimischen beliebtesten Lokale sind die nach 21 Uhr belebtesten.

Übrigens: Das so hochgelobte Eis der Gelateria Dondoli an der Piazza Cisterna, San Gimignano, halte ich für überschätzt. Die Pasta der Trattoria Chiribiri an der Piazza della Madonna, San Gimignano, ist wiederum sehr lecker (Mittagessensempfehlung).

Ansonsten verweise ich an dieser Stelle gerne auf meine Quellen für Einkehrtipps Tripadvisor und Terra-Antiqua.

Einkaufsmöglichkeiten

Jeder große Supermarkt in den Centri Commerciali - Öffnungszeiten und Adressen finden sich am besten unter http://www.aperture-supermercati.it, einfach unter »Città« den Städtenamen eingeben und mit »Cerca« suchen.
Übrigens sind dort auch Souvenirs und Mitbringsel, z.B. Panforte oder die meisten Standardweine, meist etwas günstiger als im Souvenirladen in einer gut besuchten Altstadt.

Nightlife

Die Altstadt von Monteriggioni ist ausgestorben, nachdem die Touristen die Stadt abends verlassen, und lohnt daher wenig als Nightlife-Ziel.

San Gimignano bleibt sehr viel länger lebendig. Ein Abend kann gut in einer Enoteca mit einem Glas „VernacciaVernaccia di San Gimignano
In den Hügeln rund um San Gimignano bewirtschaften über 200 Winzer die über 600ha zugelassenen Rebflächen für den Weißwein Vernaccia, dessen Geschichte sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Es war in den 1960er Jahren der erste italienische Wein „Denominazione di Origine Controllata“ DOC, heute DOCG „... e Garantita“
“ begonnen werden, dem Weißwein aus San Gimignano. Und für ein romantisches Abendessen im Anschluss bieten sich auch genügend Möglichkeiten - ein eisgekühltes Fläschen „Vernaccia“ darf natürlich auch hier nicht fehlen.
Wobei dieses Fläschen „Vernaccia“ bestimmt auch lecker schmeckt zusammen mit ein bisschen „Prosciutto“ (vielleicht vom Cinta Senese), „Olive verde“ (natürlich die großen), „Pecorino“ (zu dem ein bisschen Honig nicht fehlen darf) als kleines Picknick auf einem der Plätze.

Außerdem bieten sich noch Volterra (30km südwestlich) und vor allem Siena (40km südöstlich) als Ziele für ein bisschen Nightlife an.

Allgemeine Infos

Parken Monteriggioni: Parkplatz an der Strada di Monteriggioni außerhalb der Stadtmauern (den oberen Parkplatz, nicht den direkt an der Via Cassia)
Parken San Gimignano: (alle kostenpflichtig) Parcheggio Guibileo (mit Shuttle), Via di Castel oder Parcheggio Montemaggio, Piazzale Martiri Montemaggio (beide südl. der Altstadt) oder Parcheggio Bagnaia, Via Bagnaia (nördl. der Altstadt)

Strecke: ~26km, asphaltierte Straßen ... aber! Es empfiehlt sich, sämtliche Möglichkeiten auf der Stecke zum „sich Verfahren“ auszunutzen und über kurvige, teils unbefestigte Schotterstraßen die Hügel der Region, alte Herrenhäuser (ob verlassen oder restauriert und als Hotel betrieben), Land- und Weingüter, und so vieles mehr zu erkunden!
Ausrüstung: Nichts besonderes, Schuhwerk sollte tauglich für Stadtspaziergänge sein.

Fotoausrüstung: Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, EF-S 55-250mm IS II
Für das nächste Mal: Ein Ultraweitwinkel, z.B. das neue EF-S 10-18mm IS STM, um die faszinierende Architektur zwischen Mittelalter und Renaissance noch besser einzufangen.
Nicht mehr Blende f11 für Landschaft und Architektur bei gutem Licht (eine alte Angewohnheit als Teenager aus Zeiten der analogen Fotografie).
Frühjahr oder Spätherbst, damit ich um 9.30 vom „Torre Grossa“ das Streiflicht im morgentlichen Nebel einfangen kann.

Karte


Danke sehr fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.

Montag, 22. September 2014

Fenoglios Fußstapfen fol­gen, auf die Idee brachte uns ein "Wo ist das? Da will ich hin!" meiner Frau während eines faulen Nachmittags vor dem Fernseher - Tintenherz, die Verfilmung von Cornelia Funkes Roman.
Herausgekommen ist im Juni 2011 dieser kleine Tagestrip durch Höhlen, eine Geisterstadt, Bergdörfer und Täler Liguriens.
Show text

Beschreibung

Ligurische Straßen, ob an der Küste, durch die Täler oder hinauf in die Berge, laden übrigens zum Cruisen ein - ob im Auto oder auf dem Motorrad, eigentlich egal.

Le Grotte di Toirano

Täglich 9.30-12.30,14.00-17.00, €10 p.E. €7 p.K.
Seit 1953 sind die berühmtesten Tropfsteinhöhlen in Italien für Besucher zugänglich - vorher waren nur Neandertaler, Höhlenbären (wie durch Fußabdrücke und Knochenfunde belegt) und römische Totengräber dort.

 
Le Grotte di Toirano

Canon PowerShot SX200
Auto mode, ISO1600, no flash

Die „Grotte di ToiranoGrotte di Toirano
Das Höhlensystem liegt am Ende des Vallone del Vero oberhalb der Ortschaft Toirano, Provinz Savona, Ligurien. Drei Höhlen sind seit 1953 für Besucher geöffnet: „Grotta della Bàsura“, „Grotta di San Lucia Inferiore“ und „Grotta di San Lucia Superiore“.
Neben den archäologischen Funden eines 20000 Jahre alten Höhlenbären, eines 12000 Jahre alten Menschen und altrömischer Begräbnisrückstände sind die Höhlen berühmt für ihre einzigartigen Ablagerungen „concrezioni mammellonari“ und „i cristalli“.
“ liegen in einer sehr kargen Region am Ende des Vallone del Vero, des Tals der Wahrheit. Etwa 70 Tropfsteinhöhlen sind in dieser Region bekannt, für die Öffentlichkeit sind drei davon geöffnet: Die „Grotta della Basura“, die über einen 120m langen in Stein geschlagenen Tunnel mit der „Grotta di San Lucia Inferiore“ verbunden ist, und die „Grotta di San Lucia Superiore“.
Einzigartig sind dabei die großen kugeligen Ablagerungen („concrezioni mammellonari“), die über Jahrtausende unter Wasser entstanden sind und erst mit der Entdeckung trocken gelegt wurden. Die unterschiedlichen Wasserstände während der Jahrtausende sind dabei gut zu erkennen.

Balestrino

Drehort vieler Szenen des Films TintenherzTintenherz
Auf dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke basierender Fantasy-Film aus dem Jahr 2008, unter anderen mit Brendan Fraser (Die Mumie), Eliza Bennett, Oscar-Preisträgerin Helen Mirren (Die Queen) und Andy Serkis (Gollum in Herr der Ringe).
, BalestrinoBalestrino
Gemeinde mit etwa 500 Einwohnern (Stand 2012) in der Provinz Savona, Ligurien.
Wegen eines befürchteten Erdrutsches und des durch ein Erdbeben 1887 destabilisierten Untergrunds wurde der alte Ortskern in den 1950er Jahren verlassen. Die Aufzeichnungen gehen bis ins 11. Jahrhundert, als der Ort zur Benediktinerabtei San Pietro dei Monti gehörte.
wurde vor längerer Zeit wegen eines befürchteten Erdrutsches weitgehend verlassen, der alte Ortskern ist insofern eine Geisterstadt. Die heutigen Einwohner haben sich am Rande der damaligen Ortschaft wieder angesiedelt.

Balestrino

Canon PowerShot SX200
Auto mode, ISO100, no flash

Eine Reise in die Vergangenheit, mehr noch spannungsgeladene Erkundungstour durch die vom Einsturz bedrohten Häuser und Gassen.

Risse in der Wand

Canon PowerShot SX200
Auto mode, ISO100, no flash

Die versteckten Winkel und Ecken, offene Türen und Fenster offenbaren nichts weiter als nur noch mehr alte Steine, verrostetes Metall. Die Pflanzen holen sich langsam die Natur zurück, selbst aus den massivsten Steinstufen pressen Feigenbäume hervor.

 
Verfallen

Aufnahmen mit unterschiedlichen Kompakten

Und doch, so ausgestorben der Ort ist, so faszinierend sind die Entdeckungen verrosteter Fahrräder, alter leerer Flaschen, Garageninhalten, Kinderzimmermöbeln.

 
Verlassen

Canon PowerShot SX200
Auto mode, ISO160 und ISO400, no flash

Kleine übermütige Entdecker sollte man aber im Auge haben, verleiten eingefallene Treppen und eingestürzte Fußböden doch sehr zum Klettern.

Castelvecchio di Rocca Barbena

„Ein Adlernest zwischen Himmel und Felsen“, „eines der schönsten Dörfer Italiens“. Um sich seiner Schönheit bewusst zu werden, sollte man durch die gepflasterten Straßen flanieren, den engen Gassen, Bogen- und Gewölbegängen folgen.

Zuccarello (Val Pennavaire)

Das Dorf, gegründet vom Markgrafen Clavesana im Jahr 1248, seine Stadtmauern und Arkaden sollte man zu Fuß erkunden. Ca. 20min Fußmarsch vom Zentrum bis zur Burg auf der Hügelspitz.
Bei Heißhunger, alle Gastronomiebetriebe in Zuccarello sind streng auf Qualität und Tradition bedacht.

Cisano sul Neva

Das historische Zentrum von Cisano ist von seinem Glockenturm geprägt, der zur Pfarrkirche Santa Maria Maddalena gehört. Östlich von Cisano befindet sich das Naturschutzgebiet „Poggio Grande“.

Einkehrtipps

Trattoria Malco - familiär geführte Trattoria 17034 Castelvecchio di R.B., Via Roma, 9

Einkaufsmöglichkeiten

Jeder große Supermarkt in den Centri Commerciali - Öffnungszeiten und Adressen finden sich am besten unter http://www.aperture-supermercati.it, einfach unter »Città« den Städtenamen eingeben und mit »Cerca« suchen

Nightlife

Dafür bietet sich die ganze Riviera di Ponente an, besonders aber die Orte Alassio und Albenga. Die Küstenstraße nach Alassio ist übrigens alleine eine Fahrt wert.
Albengas Centro Storico ist mit seinen Türmen schon von Weitem sichtbar und bietet viele unterschiedliche Möglichkeiten zum Essen und Trinken, Enoteche wie Trattorie, aber auch ein paar wenige Bars.
Alassio ist etwas mondäner, was bestimmt auch seinen vielen berühmten Besuchern liegt. Die ausgesprochen schöne Shopping-Meile mit Modelabels von annehmbar bis unnahbar bedarf bestimmt ein wenig Erholung nach dem langen Tag. Dafür sind hier die etwas nobleren Restaurants und Bars zu finden.
Empfehlen kann ich aber vor allem eine Flasche Rossini, ein frisches Focaccia, frische Oliven, vielleicht ein bisschen Pecorino, und ein ruhiges Plätzchen am Strand von Alassio ...

Allgemeine Infos

Strecke: ~70km, asphaltierte Straßen, kurvenreich
Ausrüstung: Feste Schuhe (Höhlen, gepflasterte Ortskerne)
Fotoausrüstung: Canon PowerShot SX200

Karte


Danke sehr fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.