Dienstag, 11. November 2014

Passend zum Abschluss der Wandersaison ein kleiner Rückblick auf den Spätsommer: Jeder Mensch braucht Bewegung, am besten in Verbindung mit frischer Luft in den Bergen.
Also ab in die bayrischen Voralpen auf Heimgarten und Herzogstand - und weil wir etwas ungeübt (= stinkefaul und untrainiert) sind, sparten wir uns den anstrengenden Aufstieg - ein »Fehler im Ansatz!« Show text

Beschreibung

Die (Vor-)Alpen, von Frühjahr bis Herbst locken die Berge zum Wandern und die Seen zum Relaxen, aber vor allem die entschleunigte ländliche Lebensart.

Aufstieg Herzogstand
Ausblick auf Walchensee zwischen Fahrenbergkopf und Herzogstand
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO200), 18mm, f7.1, 1/400s

Uns zieht es mindestens einmal im Jahr in die Berge, eigentlich zum Entspannen, ein bisschen frische Luft, Aussicht, Kaiserschmarren oder Leberknödelsuppe genießen. Da aber dieses ehemals sportliche, aber seit fast 20 Jahren völlig untrainierte Etwas unterhalb des Halses langsam vom Verfall bedroht ist, reicht frische Luft und Leberknödelsuppe allein nicht mehr – ein bisschen Bewegung muss wohl auch sein.

Tourauswahl

Das Gebiet war quasi vorgegeben, da wir letztes Jahr eine kleine Bleibe für ein bis zwei Nächte auf einem (ehemaligen) Schafsbauernhof in Wallgau gefunden haben. Klar war auch, wir wollen auf einen Berg, die Aussicht genießen – und der Fotograf vielleicht ein Panoramabild machen.

Herzogstandbahn
Was sich als Ende besser eignet war unser Anfang
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Stitched with Microsoft ICE

Gleich ums Eck liegen am Walchensee der Herzogstand und der Heimgarten, vor allem bekannt durch die Gratwanderung zwischen den beiden Gipfeln und den schönen Ausblick auf Kochel- und Walchensee. Ein kurzer Blick in Tourbeschreibung (leicht, ein bisschen Trittsicherheit, aber ansonsten gut begehbar, 6 Std), mit Abkürzen durch Gondelfahrt statt Aufstieg passt das als Tagestour.
Nur genau hier liegt der »Fehler im Ansatz«, aber dazu später mehr.

Walchensee (800m) - Herzogstand (1731m)

Startpunkt ist der Parkplatz der Herzogstandbahn. Wie bereits gesagt wollten wir - ungeübt, wie wir sind - nicht die gesamte Tour wagen, sondern den Aufstieg als vermeintlich anstrengendsten Teil „abkürzen“. Die Herzogstandbahn ist seit 1994 in Betrieb und führt auf den Fahrenbergkopf (1627m), etwas oberhalb vom Herzogstandhaus.

Herzogstand Panorama
Nach Osten sieht man über Kochel- und Walchensee
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Stitched with Microsoft ICE

Von dort geht es erstmal ein paar Schritte bergab um den Fahrenbergkopf herum, bevor sich der Wochenendwanderzug weiter den Herzogstand hinaufschlängelt. Die Aussicht über Kochel- und Walchensee ist beeindruckend und jeden Schritt wert, auch wenn man sie bei schönem Wetter mit vielen anderen Wanderern teilen muss.

Gratwanderung Herzogstand (1731m) – Heimgarten (1790m)

In der entgegengesetzten Richtung, jenseits des Gipfelpavillons, geht es über die Gratwanderung zum Heimgarten - mit jedem Schritt ein schöner(er) Ausblick.

Gratwanderung
Zwischen Herzogstand und Heimgarten, die tolle Aussicht ist jedes bisschen Anstrengung wert.
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 20mm, f7.1, 1/400s

Abgesehen von einigen wenigen Stellen, die eine gewisse Trittsicherheit und auch mal den Griff an ein Stahlseil verlangen, ist der Grat sehr gut begehbar. Wer allerdings glaubt, dass die 60m Höhenunterschied der beiden Gipfel nahezu eben erwandert werden können, täuscht sich gewaltig.

Gratwanderung
Ungefähr Halbzeit auf dem Grat, der steile Endanstieg zum Heimgarten steht aber noch bevor
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 18mm, f7.1, 1/1250s

Auch hier merkten wir erst beim doch sehr steilen Endanstieg zum Heimgarten, wie schnell Kräfte ausgehen können – übrigens in umgekehrter Richtung ist der Endanstieg zum Herzogstand weit weniger steil und anstrengend.

 
Heimgarten
Endlich auf dem Gipfel
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 18mm, f7.1, 1/1600s
Ausblick
Pause bei Aussicht, Speckbrot und Erfrischung
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Av, AutoISO (ISO200), 35mm, f7.1, 1/1250s

Endlich oben angekommen belohnt der Heimgarten selbst die tierischen Begleiter mit 360° schöner Aussicht, die man am besten bei einem erfrischenden Getränk und kleiner Stärkung in der Heimgartenhütte genießt.

Panoramablick zurück
Das Erreichte, Gratwanderung und Herzogstand
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, Stitched with Microsoft ICE

Im Norden sieht man kilometerweit über das Voralpenland bis zum Starnberger See, im Westen und Süden präsentieren sich die Große Arnspitze, Zugspitze, Wettersteingebirge und Karwendel. Im Osten - ein letzter Blick auf das Erreichte - zeigen sich Herzogstand und der Weg, den wir bereits zurückgelegt haben.

Abstieg Heimgarten (1791m) – Walchensee (800m)

Der Abstieg vom Heimgarten beginnt nahezu euporisch. Endlich hat man die Strapazen des Aufstiegs hinter sich und es geht eigentlich fast nur noch bergab. Als Serpentine schlängelt sich der teilweise steinige Weg hinab. Die Alpenvegetation und vereinzelte Bäume, durch Wettereinfluss und steiles Gelände geformt (Krummholzzone), gehen langsam in dichter werdenden Wald über.

   

Ich hatte bereits schon von einem »Fehler im Ansatz« gesprochen. Nun, wer schon mehrere Stunden Wanderung hinter sich hat, wird zwangsläufig müde. Und müde Muskulatur kann bei einem Abstieg nicht mehr sonderlich gut die Schritte abfedern, was etwas auf die Gelenke geht – was wir noch Tage später gemerkt haben.

Was haben wir gelernt?

Das nächste Mal gehen wir die Tour genau andersherum: von Walchensee auf den Heimgarten, Mittagessen, Gratwanderung auf den Herzogstand (mit weniger steilen Endaufstieg), und dann mit der Gondel wieder hinab ins Tal.
Im Nachhinein war diese Wanderung aber jedes bisschen Anstrengung mehr als wert - sehr empfehlenswert.

Infos

Profil: Das Profil ist in entsprechend anderer Richtung beschrieben, da ich die Tour so nicht mehr wandern würde. Da wir eher Spaziergänger sind, können geübte Wanderer gute 20% von der angegebenen Dauer abziehen.

HöheDauerGesamtdauerRoute
800m - 1790m3Std3StdWalchensee - Heimgarten
1790m - 1731m2Std5StdHeimgarten - Herzogstand
Gratwanderung
1731m - 1575m0:30Std5:30StdHerzogstand - Berggasthaus Herzogstand
1575m - 800m2Std / 0:10Std7:30Std / 5:40StdWalchensee - Heimgarten
Abstieg / Gondelfahrt

Startpunkt: Parkplatz Herzogstandbahn
Zielpunkt: Parkplatz Herzogstandbahn

Schwierigkeitsgrad: leicht (blau)

Einkehrmöglichkeiten:
Berggasthof Herzogstandhaus (1575m)
Heimgartenhütte (1785m)

Ausrüstung

Ich war tatsächlich dämlich genug, fast den ganzen Rucksack mitzuschleifen - und das, obwohl man für Wandertouren echt nur die Kamera und das EF-S18-135mm IS STM braucht.
Eine Tasche oder ein kleiner Rucksack ist natürlich sinnvoll, wenn nicht gar wichtig! Erstens braucht man sowieso viel zum Trinken beim Wandern. Zweitens braucht man ab und zu beide Hände. Soll heißen, die Kamera ist manchmal am besten aufgeräumt.

Was ich trotz Rucksack natürlich nicht mit dabei hatte, war das Stativ. Im Nachhinein sehr schade, da in Verbindung mit einem Neutraldichtefilter mit der Langzeitbelichtung sehr schöne Effekte "zerfließender" Wolken möglich sind.

Oh, nicht zu vergessen - auch wenn es nichts mit den Fotos direkt zu tun hat: Vernünftige Schuhe! Die Wege sind teilweise ziemlich steinig, was festes Schuhwerk erfordert.

Weitere Ziele in der Umgebung

In der Umgebung haben wir schon einige weitere schöne Fleckchen gefunden: Mittenwald ist ganz nett zum abends mal was essen und trinken gehen. Zum Wandern ist die Leutschklamm empfehlenswert, einfache Wanderung von ca. 4-5Std (lange Strecke).
Auch Karwendel, Wettersteingebirge, usw bieten viele Wanderstrecken und schöne Berglandschaften.
Interessant ist noch der Eibsee "hinter" Garmisch, der nicht nur einfach zu umwandern ist, sondern währenddessen auch einen schönen Ausblick aufs Zugspitzmassiv bietet.

 
Leutaschklamm

Canon EOS APS-C
Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM
Av, ISO100, 10mm, f13, 1/2s - aufgelegt

Ahornboden

Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM
Av, AutoISO (ISO200), 10mm, f6.3, 1/250s

Uns hat es aber ganz besonders das Isartal im Sommer (nahezu ohne Wasser) und der Ahornboden mit der Engalm angetan, aber auch die tiroler Seite am Achensee und der Gramaialm.

Quellen

Bücher haben immer eine Zielgruppe, eine „Intended Audience“ - und für diese Unmengen an Wanderführern sind das eben im-stechschritt-marschierende Höhenmeterjunkies und eher weniger genussvolle Spaziergänger.
Empfehlen kann ich als Quelle daher das Internet, besonders Höhenrausch. Die Tourensuche ist einfach, Tourbeschreibungen sind gut strukturiert, und auch Anfänger werden nicht von 1500 Höhenmetern in 2,5 Stunden (bei Sucheinschränkung „leicht“ abgeschreckt.


Auch diesmal wieder: Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Freitag, 24. Oktober 2014

Mal etwas anderes, das zwar nichts mit Reisen, dafür aber umso mehr mit Fotografie zu tun hat ... Studioaufnahmen gibt es in allen Arten und Formen. Nachbearbeitung von natürlicher Aufnahme bis digitaler Malerei, vom Passfoto bis Coverbild.
Ich möchte hier einen einfachen Ansatz vorstellen, den ich spontan zuhause oder unterwegs machen kann – ganz ohne Studio. Show text

Beschreibung

Studioaufnahmen brauchen einen großen Raum mit riesiger Leinwand und mindestens zwei, drei oder gar vier riesige Blitzgeräte? Nicht doch. Auch als Amateurfotograf kann man mit wenig Equipment schöne Aufnahmen machen, die schon fast nach Studio aussehen. Zumindest ich finde das Ergebnis dieses spontanen Shootings an Heilig Abend gar nicht so schlecht.

Catch the light
Spontanes Shooting mit zwei entfesselten Aufsteckblitzen zum Ausprobieren des faltbaren Hintergrunds (Weih­nachts­geschenk)
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/100s

Das Folgende soll weder Tutorial noch stressbare technische Beschreibung der Studiofotografie sein (das können Krolop & Gerst viel besser!), sondern ein kleiner Erfahrungsbericht meines ersten und zweiten Versuchs, der anderen vielleicht ein bisschen die Hemmung vor dem Thema nimmt und zum Ausprobieren anregt. Wieviel ich ausprobiert habe, sieht man an den Bildnummern ...

Hintergrund

Sich bei Hintergründen auf ein weißes, graues oder schwarzes Nichts zu reduzieren ist die einfachste Form - in diesem Fall schwarz für Low KeyHigh Key / Low Key
In der Fotografie gibt es die gestalterischen Stile "High Key" und "Low Key". Während bei "High Key" die hellen Bildbereiche vorherrschen und einige Teile ganz weiß sind, herrschen bei "Low Key" die dunklen Bildbereiche und schwarzen Bildteile vor. Man darf allerdings beides nicht mit Unter- oder Überbelichtung verwechseln.
-Bilder - und beantwortet quasi schon die allererste Frage: Was machen mit dem Hintergrund, der vom eigentlichen Motiv ablenkt (oder einfach nicht so gut aussieht)?

Schwelle des Lichts
Split Lighting und spielen mit der Lichtebene, die dunkle Seite ist mit einem schwachen Blitz - naja, aufgehellt
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/80s

Deshalb habe ich mir letztes Weihnachten einen faltbaren Hintergrund gewünscht - woraus auch eben dieses spontane Shooting entstand. Ausgeklappt 145x200cm, zusammengefaltet mit 65cm Durchmesser leicht zu transportieren. Bettlaken eignen sich für erste Versuche aber auch ziemlich gut.
Alles andere verlangt meiner Meinung nach viel LichtstärkeLichtstärke
Ist ein Begriff zur Beschreibung einer maximalen Offenblende eines Objektivs. Ein sehr kleiner Blendenwert entspricht einer sehr offenen Blende und wiederum Lichtstärke.
Offene Blenden ermöglichen nicht nur das Fotografieren mit wenig Licht, sondern auch Bilder mit extrem flacher Schärfeebene und entsprechend starken Unschärfen in Hinter- und Vordergrund des Motivs.
des Objektivs (nicht immer in der Tasche von Amateuren), damit Formen und Strukturen im Hintergrund unscharf werden und das eigentliche Motiv freigestellt wird, und ziemlich viel Erfahrung bei der Auswahl des Hintergrunds und damit auch der Location.

Beleuchtung

Anfänger reduzieren sich gerne auf den AufklappblitzAufklappblitz
Der kleine eingebaute Standardblitz vieler Kameras, der seinen Namen seiner Eigenart, ein- bzw ausklappbar zu sein, verdankt.
, Amateure wissen meist schon das „Available LightAvailable Light
Entspricht der wörtlichen Übersetzung: verfügbares Lichts. In der Fotografie bedeutet das nicht nur das wenige Licht in Innenräumen oder Dämmerungsphasen, sondern auch die Nutzung vorhandener Lichtquellen, wie die Sonne, die durch ein Fenster scheint, oder einen Kronleuchter in einem Foyer.
“ bewusst zu nutzen oder verwenden einen AufsteckblitzAufsteckblitz
Ein Blitzgerät, das über den Blitzschuh auf der Kamera montiert wird.
. „Available Light“ ist dabei allerdings wie der Hintergrund eine Frage von Erfahrung und Location, also nicht einfach in jedem Wohnzimmer zu erreichen.
Also Aufsteckblitz nutzen, und zwar „entfesseltEntfesseltes Blitzen
Normalerweise ist der Blitz an die Kamera "gefesselt". Entfesseltes Blitzen beinhaltet also das Lösen des Blitzes von der Kamera, womit Beleuchtung aus unterschiedlichen Winkeln und Höhen möglich ist - und eben nicht nur frontal von oberhalb der Kamera.
“! Entfesselt blitzt es sich mit einem Aufsteckblitz entweder über Funkauslöser oder Infrarot, wobei letzteres immer etwas unzuverlässig (und daher unendlich nervig) ist.

Klassiker
Ein bisschen mehr Balance zwischen dunkler und heller Seite
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/100s

Da Blitzgeräte ein sehr hartes Licht und ebenso harte Schatten verursachen, empfehle ich grundsätzlich entweder „BouncingBouncing
"Bouncing" bedeutet, dass man das Blitzlicht nicht direkt auf das Objekt fallen, sondern z.B. von der Decke reflektieren lässt. Dadurch wird das Blitzlicht etwas mehr gestreut und wirkt deutlich weicher in Schattenwurf und Ausleuchtung.
“, einen DiffusorDiffusor
Ein Diffusor ist ein Hilfsmittel für das Blitzgerät und bewirkt eine Streuung des Lichts. Dadurch werden das Blitzlicht selbst, Kontraste und Reflexe weicher.
oder eine SoftboxSoftbox
Eine Softbox verpackt den Blitz, damit das Blitzlicht eingefangen und über Reflexion und Projektion auf eine weiße Fläche gleichmäßig weich wieder freigegeben werden kann.
. Ich bevorzuge die Aurora Firefly II, eine kleine, schnell montierbare Softbox mit Halterung und Blitzschuh - oder ich "bounce" einfach über das weiße Kärtchen, das aus meinem Blitz oben rauskommt.
Bei allen Beispielbilder wurden für beide Lichtquellen Softboxen verwendet.

Setup

Eine Lichtquelle reicht schon für gute Aufnahmen. Ich finde zwei, idealerweise mit etwas verschiedener Stärke, sind schon klasse und bieten richtig viele Möglichkeiten zum Ausprobieren.

Erstmal fange ich mit den Kameraeinstellung an entsprechend folgender kleiner Checkliste: Grundeinstellung Manuell (M), ISO so niedrig wie möglich, Belichtung im Rahmen der SynchronisationszeitSynchronisationszeit
Die Synchronisationszeit beschreibt die Belichtungszeit, in der Kamera und Blitz synchron ausgelöst werden können - in der Regel zwischen 1/60s und 1/250s.
zwischen Blitz und Kamera (bei mir perfekt zwischen 1/60 und 1/200). Dann passe ich die Grundeinsstellung an, bis das vorhande Raumlicht keine oder kaum Konturen mehr erkennen lässt.

Jetzt kommt der Blitz: Bevor ich die Stärke einstelle, überlege ich mir die einzelnen Position bzw Bewegungsbereiche von Model und Kamera/Fotograf und die entsprechenden Richtungen, aus denen das Licht kommen soll.

 
Lichtsetup
Licht 1 deutlich stärker als Licht 2
Photoshop Elements und Maus, Notizzettel-Vorlage (Fund im Netz)
Selfie als Testbild
Für ein anderes Shooting, nichtsdestotrotz kein schlechter Test
Canon EOS APS-C, Canon EF 40mm f2.8 STM Pancake, Manuell (M), ISO100, f4, 1/160s

Die Blitzstärke und -streuung stelle ich immer manuell ein, einfach, weil es ein großartiger Lerneffekt und großer Spaß ist, unterschiedliche Einstellung auszuprobieren.
Bei Portraits beginne ich gerne mit klassischen Setups und Ausleuchtung des Gesichts (zumindest seit ich weiß, dass es so etwas gibt), z.B. RembrandtRembrandt Lighting
Beleuchtungssetup in der Fotografie, mit welchem eine klassische Ausleuchtung für Portraits erreicht wird. Besonderes Kennzeichen der Rembrandt-Ausleuchtung ist neben der Zweiteilung des Gesichts in Licht und Schatten das charakteristische Dreieckslicht unter dem im Schatten liegenden Auge.
, SplitSplit Lighting
Einfaches Beleuchtungssetup in der Fotografie, bei dem das Hauptlicht im 90°-Winkel zum Model plaziert wird, oft kombiniert mit leichter Aufhellung im 45°-Winkel auf der anderen Seite (z.B. durch einen Reflektor).
(Ausgangslage für die Beispielbilder) oder LoopLoop oder Paramount Lighting
Einfaches Beleuchtungssetup in der Fotografie, bei dem das Hauptlicht fast direkt vor dem Model (etwa im 15°-Winkel) platziert wird und ist eine der am häufigsten genutzten Setups bei Portraits.
, und probier Details, Änderung und Kombinationen dann spontan aus.

Das Shooting

Klassisch sind Beleuchtung und Kameraposition sehr statisch, so auch die Position, die das „Model“ einnimmt. Natürlich sollte man sich überlegen, was man erreichen möchte und Lichtsetup, Kameraposition, etc entsprechend auswählen.
Aber das geht genauso spontan, wie sich danach auf einen flexiblen Dialog mit seinem Model einzulassen, Kamera und Model (natürlich in einem sinnvollen Rahmen) bewegen und so individuelle Ergebnisse zu erreichen.

Ok, mit dem faltbaren Hintergrund von 140x200cm kann das Model natürlich keine Spaziergänge machen, aber sich jederzeit gerne drehen oder aus Lichtebenen etwas hinaus- oder hineinlehnen.
Außerdem darf man nie vergessen, dass ein gutes Portrait auch ein gutes „Catch LightCatch Light
Reflexion des Lichts im Auge des Models
“ ausmacht. Bei aller Spontanität sollten offene Augen auch das Licht einfangen.

Post-Processing

Ich verwende eigentlich nur Adobe Lightroom, für diese Bilder Version 5, da ich vor allem digital fotografieren möchte und nicht digital malen. Für die wenigen Retuschen kleinerer Hautunreinheiten, leichtes lokales Aufhellen, Abdunkeln oder Weichzeichnen oder das Betonen der Augen ist Lightroom für mich genau richtig.

Look, this is my daughter
Klassiches Split Lighting mit ein bisschen Catch Light im "dunklen" Auge.
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/80s

Für ein wenig mehr Glamour oder wenn eben nicht ein Teenager, sondern vielleicht schon eine etwas reifere Frau oder mehrere Gesichter vor der Linse stehen, setze ich seit neuem gerne Portrait Professional ein - weil es Gesichter automatisch erkennt und viel Lightroom/Photoshop Pinselarbeit abnimmt.

Das Ergebnis

Schwarzweiß oder farbig, Portraitaufnahmen, Close-ups, etwas mehr oder gar den ganzen Körper - oder eine Collage mehrer Einzelbilder.

Collage
Eine Collage, ein Filmstreifen, vom großen Bild für die Zimmerwand bis zum Banner in Social Networks ...

Für ein spontanes Shooting am Weihnachtsabend finde ich diese Ergebnisse gar nicht schlecht. Übrigens eignet sich ein ähnliches Setup mit einem entfesselten Blitz + Firefly auch hervorragend für Shootings im Freien - vielleicht gibt es diesbzgl auch mal einen Blogpost, der dem Blogtitel etwas näher kommt.

Hilfe bei Problemen

Weiße Bilder entstehen, wenn man Belichtung und ISO der Kamera überlässt. Da Kamera und Blitze nichts voneinander wissen, stellt sich die Kamera auf die natürlichen (dunklen) Lichtverhältnisse ein. Blitze überstrahlen dann das Bild derart, dass ein weißes Bild das Resultat ist.

Weißer Hintergrund wirkt grau. Low Key-Bilder sind etwas einfacher vom Lichtsetup, da der Hintergrund nicht ausgeleuchtet werden muss (aber natürlich kann). Ein nicht extra ausgeleuchteter weißer Hintergrund wirkt allerdings in 90% aller Fälle tatsächlich eher grau, weshalb sich bei High Key-Bildern eine extra Lichtquelle für den Hintergrund empfiehlt.

Blitz löst nicht aus. Bevor ich mir die Yongnuo RF603 Funkauslöser gegönnt habe (empfehlenswert), hatte ich dieses Problem regelmäßig. Eine Canon-Kamera über Infrarot mit einem entfesselten Blitz sprechen zu lassen ist schon nicht ganz einfach (Q-Taste -> Blitzeinstellung -> Manueller Drahtlosblitz), aber dann auch noch innerhalb der Reichweite des Infrarots sich zu bewegen ...

Schwarze Balken am unteren Bildrand sind das Resultat der zu langsamen Blitzsynchronisationszeit. Dafür können Blitz und Kamera reichlich wenig, da es ein fester Wert ist, den der Fotograf mit der Kamera nicht überschreiten sollte (bei Canon in der Regel min. Belichtungszeit 1/200).

Ausrüstung

Kamera habe ich quasi nur eine, meine Canon EOS 650D, die eigentlich auch gar nicht schlecht ist (~mir einred~).

Objektive sind je nach gewünschtem Ergebnis, verfügbarem Raum, etc natürlich viele möglich. Ich bevorzuge mein Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro oder mein Canon EF 40mm f2.8 STM Pancake für Portraits, da sie wenig verzeichnen und hervorragende Abbildungsqualität bieten.
Coole Effekte (passt hier vielleicht nicht unbedingt) kann man allerdings auch mit einem Ultraweitwinkel erreichen, z.B. um Tiernasen riesig wirken zu lassen, o.ä.

Kamerastativ verwende ich nur teilweise für so ein Setup. Normalerweise verziehe ich mich hinter die Kamera und brauche kein Stativ, sondern suche den Dialog mit dem Model als Teil der Kamera. Manchmal lasse ich die Kamera aber irgendwann einfach auf dem Stativ, stelle mich neben das Model und versuche quasi direkt auf die Szenerie einzuwirken - bei Menschen spaßig, bei Tieren einfach sinnvoll.

Beleuchtung besteht bei mir meistens aus entfesselten Aufsteckblitzen YN-560 Mark III von Yongnuo, die ich auf Stativen montiere, mit Aurora Firefly II als Softbox oder Bouncing. Manchmal nehme ich noch meinen Studioblitz hinzu, der allerdings immer etwas mehr Platz wegnimmt und lange nicht so schnell aufgebaut ist.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Venedig. Bekannt für sein Filmfest Biennale, die Hoch­zeit George Clooneys, durch die Kanäle dampfende Kreuz­fahrt­riesen. Ziel für Besucher aus aller Welt, Tagesausflug einer jeden Abschlussfahrt nach Caorle, der deutschen Union Lido Camper.
Also eigentlich zum Fernbleiben. Show text

Beschreibung

Eigentlich dachten wir, dass die Kreuzfahrtschiffe seit diesem Jahr nicht mehr erlaubt sind und mit ihren 24Std laufenden Motoren (ohne Partikelfilter) die Luft nicht mehr verpesten. Das war zwar ein Irrtum (Herbst 2014), dafür hat Venedig alle anderen Klischees widerlegt und sich eigentlich so gar nicht als dieses seit 100 Jahren nur auf Massenabfertigung von Touristen ausgelegte Etwas präsentiert.
Insgesamt haben wir zwei volle Herbsttage und drei Herbstnächte in Venedig verbracht, der auf Holzpfählen gebauten Lagunenstadt, Panoptikum der Synthese aus venezianisch-byzantinischer Architektur, Renaissance und Barock. Allerdings möchte ich der Beschreibung unseres Ausflugs einen anderen Blogeintrag widmen und hier das Gegenstück zum typischen Tagesausflug der Sommerurlauber und Kreuzfahrtgäste beschreiben - einen Nachtausflug.

Sonnenuntergang

Das VaporettoVaporetto
(wörtlich: Dampfer) Bus und Bahn von Venedig, nur eben als Boot auf dem Wasser. Das Netz verbindet alle Inseln und Stadtteile der Lagune miteinander und funktioniert wie ein U-Bahnnetz.
bringt uns dem Sonnenuntergang entgegen vom Lido di VeneziaLido di Venezia
Lido kommt vom Lateinischen "litus" = Strand, Küste.
Der Lido di Venezia ist der mittlere Teil des schmalen Landstreifens, der die Lagunenstadt Venedig vom offenen Meer trennt und insgesamt von Jesolo im Norden bis Chioggia im Süden reicht. Im 19. Jh. ein mondänes Seebad mit luxuriösen Hotels ist es mittlerweile chic für, auf Lido ein Wochenendhaus oder eine Ferienwohnung zu besitzen - wer es sich leisten kann natürlich.
Richtung Centro Storico. Der leichte Dunst über der Stadt taucht den Hintergrund in die zarten Farben zwischen goldener Stunde und Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang
Der Start in die Nacht Venedigs, die untergehende Sonne über dem Canal Grande
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, AutoISO (ISO100), 35mm, f11, 1/125s

Entlang der Uferpromenade des Stadtteils Il Castello und den davor liegenden Luxusyachten nähern wir uns dem Eingang des Canal GrandeCanal Grande
Der Canal Grande ist die ca. 4km lange Hauptwasserstraße des Centro Storico der Lagunenstadt Venedig und ist links wie rechts über seine ganze Länge von Palästen gesäumt, die über die Jahrhunderte aus dem Reichtum Venedigs entstanden sind. Derzeit überspannen vier Brücken den Canal Grande, die berühmteste ist die Ponte di Rialto.
Für jeden Besucher empfiehlt sich mindestens eine Fahrt mit dem Vaporetto Linea 1 von S.Zaccaria bis P.Roma.
, eingerahmt vom Palazzo DucalePalazzo Ducale (Dogenpalast)
Der Dogenpalast war seit dem 9. Jh. Regierungssitz der Republik Venedig und ist heute noch als Museum Ausdruck von Macht und Reichtum der Lagunenstadt. Der Palast präsentiert eindrucksvoll die für Venedig typischen, über die Jahrhunderte verschiedenen Architekturstile von der byzantinischen Kunst bis zur Renaissance und gilt als einer der bedeutendsten weltlichen Bauten der Gotik überhaupt.
Seine Lage direkt an der Basilica di San Marco steht auch für die (natürlich zweckmäßige) Verbindung der weltlichen Macht der Dogen und der katholischen Kirche.
und der Piazza di San MarcoPiazza di San Marco (Markusplatz)
Der "schönste Festsaal Europas" nannte Napoleon den Markusplatz, den berühmtesten Platz Venedigs.
Ergebnis einer meisterhaften Stadtplanung der Republik Venedig ist der 175m lange und bis zu 82m breite Platz eingerahmt von den ehemaligen Verwaltungsgebäudekomplex aus Procuratie Vecchie und dem Torre dell'Orologio im Norden, Procuratie Nuove im Süden mit dem berühmten Caffè Florian in seinen Arkaden und der Ala Napoleonica im Westen, in der heute der Zugang für Besucher zum Museumskomplex und der Biblioteca Nazionale Marciana ist. Im Osten grenzen an den Platz die Basilica di San Marco mit ihrem Campanile und der Palazzo Ducale, an welchem entlang die Piazzetta zum Wasser führt.
rechts und dem barocken Kuppelbau der Kirche Santa Maria della SaluteSanta Maria della Salute
Der barocke Kuppelbau hinter der Punta della Dogana an der Spitze des Stadtteils Dorsudoro ist eine Votivkirche, die zum Dank der Beendigung der Pest im 17. Jh. an der Einfahrt des Canal Grande schräg gegenüber des Palazzo Ducale gebaut wurde. Im nüchternen Innern bilden prachtvolle Altare das Rund unter der großen Kuppel mit Gemälden venezianischer Renaissance-Künstler wie Tizian und Tintoretto. Der Hauptaltar erinnert metaphorisch an die Rettung vor der Pestepdiemie.
links (Bild oben).
Wer genau Vorfahrt hat bei dem für Besucher chaotisch wirkenden, aber sehr gut funktionierenden Wasserverkehr, ist unklar. Aber irgendwie organisieren sie sich, Vaporetti, Taxi, Gondole (Bild unten), auf der Lebensader von Venedig.

Le Gondole
Chaotisch wirkender, aber sehr gut funktionierender Wasserverkehr
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), 35mm, f11, 1/50s

Bei San Giorgio, der erste Anleger des Stadteils San Marco im Canal Grande, steigen wir auf das zweitwichtigste Fortbewegungsmittel in Venedig nach den Vaporetti um - die eigenen Füße - und schlendern gemütlich der blauen StundeBlaue Stunde (Blue Hour)
Die blaue Stunde bezeichnet den Zeitraum der Dämmerung zwischen nächtlicher Dunkelheit und Sonnenauf- bzw -untergang, während der das tiefe Blau des Himmels etwa die gleiche Leuchtkraft besitzt wie die künstliche Umgebungsbeleuchtung, z.B. Straßenlaternen. Die Dauer ist auf unserer Nordhalbkugel im Winter etwas länger als im Sommer, aber leider meist deutlich kürzer als eine Stunde - nur in den Polarregionen kann dieses Licht- und Farbenspiel bis zu mehreren Stunden dauern.
auf der Piazza di San Marco entgegen.

San Marco

Die Piazzetta ist der kleine Platz zwischen Campanile und Palazzo Ducale, dessen Anleger schon viele berühmte und wichtige Personen der Geschichte begrüßte (Bild unten links). In den hübsch beleuchteten Arkaden der dem Palast gegenüberliegenden Procuratie NuoveProcuratie Vecchie e Nuove
Die Prokuratien sind die ehemaligen Verwaltungsgebäude der Republik Venedig, säumen die Piazza di San Marco im Norden und Süden und beherbergen heute Museen und in ihren Arkaden teure Cafès und Geschäfte.
sind viele edle Geschäfte noch geöffnet.
Der 98,6m hohe Campanile der Basilica di San Marco (Bild unten rechts) ist übrigens am 14. Juli 1902 eingestürzt und wurde genau, wie und wo er war (»com'era e dov'era«), im Stile des 16. Jahrhunderts wieder aufgebaut.

 
Piazzetta
Ankunft an der Piazzetta am Palazzo Ducale
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 10mm, f8, 1.3s - Stativ
Campanile
»Com'era e dov'era«
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 10mm, f8, 8s - Stativ

Durch die Gassen von San Marco Richtung Ponte di RialtoPonte di Rialto (Rialtobrücke)
Die Ponte di Rialto überspannt in ihrer heutigen Form aus dem 16. Jh. als 48m langer Bogen mit einer Durchfahrt von 28,8m Breite und 7,50m Höhe den Canal Grande und verbindet die Stadtteile San Marco und San Polo.
Lange existierte keine Brücke über den Canal Grande. Seit dem 12. Jh. wurden mehrere Holzbrücken gebaut, die allerdings Feuer und schneller Verrottung zum Opfer fielen. Im 16. Jh. kam dann der Entschluss zu einer Steinbrücke.
Die Fundamente der Ponte di Rialto, zu dessen Bau sich auch Michelangelo bewarb, dieser aber lokal vergeben wurde, wurden auf 12.000 Holzpfählen gebaut.
schlendernd entdeckten wir, dass es auch in Venedig ein Rossopomodoro ("l'autentica pizza napoletana verace") gibt und für uns eine kleine Pause, eine Pizza "San Marzano" (pomodoro, mozzarella e basilico - non ho bisogno più) und ein Gläschen Rotwein.

Rialto

Der Blick von der Ponte di Rialto auf den Canal Grande und den Palazzo Dolfin-ManinPalazzo Dolfin-Manin
Der Palazzo Dolfin-Manin wurde im 16. Jh. im Auftrag der Dolfin-Familie erbaut und war Wohnsitz des letzten Dogen von Venedig, Ludovico Manin.
Auffällig sind die Fassade aus weißen istrischen Stein und die schönen Arkaden im Erdgeschoss, durch welche der Fußweg am Canal Grande führt (= Sottoportego).
mit seinen schönen Arkaden im Erdgeschoss ist nachts besonders schön (Bild unten) - und die Umgebung ebenso belebt wie die Piazza di San Marco.
Die Tische der hell beleuchteten Restaurants direkt am Canal Grande sind voll belegt mit Gästen, und die Gondeln säumen das Ufer und überlassen die Wasserstraße den Vaporetti.

Canal Grande
Der Blick von der Ponte di Rialto auf den Canal Grande, hell beleuchtete und voll belegte Restaurants
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 13mm, f5.6, 8s - Stativ

Accademia

Von Rialto bringt ein Vaporetto (regelmäßige Fahrtzeiten bis spät in die Nacht) Nachtschwärmer den Canal Grande entlang zurück - in unserem Fall zur Ponte dell'AccademiaPonte dell'Accademia
Die Ponte dell'Accademia verbindet die Stadtteile Dorsoduro und San Marco und wurde als eine Eisenbrücke im Design der englischen Besatzungmacht im 19. Jh. gebaut. Im 20. Jh. ersetzte eine Holzbrücke dieses Relikt der Besatzungszeit.
Ihren Namen verdankt sie der berühmten Gemäldesammlung der Stadt, Galerie dell'Accademia, in deren unmittelbarer Nähe sie liegt.
mit vielleicht sogar noch schönerem Blick auf den von Palästen und Santa Maria della Salute eingerahmten Canal Grande im Mondschein (Bild unten).

Canal Grande
Der vielleicht sogar noch schönere Blick von der Ponte dell'Accademia auf den von Palästen und Santa Maria della Salute eingerahmten Canal Grande
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO200, 13mm, f5.6, 4s - Stativ

Dorsoduro

Die VotivkircheVotivbau
(lat. votum = gelobtes Opfer, Gelübde)
Votivbauten sind Bauten, deren Bau als Gelübde ausgesprochen wurde für die Erfüllung eines Gebets oder zur Rettung aus einer Notlage.
Santa Maria della Salute ist das Ziel eines kleines Spaziergangs durch Dorsoduro, dem Stadtteil südlich des Canal Grande, der durch die ein oder andere Pause für ein Glas Wein in einer kleinen Bar oder einer Enoteca versüßt werden kann (und vielleicht sollte). Besonders eignen sich aber auch die kleinen Plätzchen am Rande des Canal Grande, um frei von Restaurants und ihren Gästen, großen Plätzen und ihren Besuchern, in der Stille der Abgelegenheit den Ausblick (Bild unten) und ein Gläschen Wein zu genießen (letzeres lässt sich in Flaschen unterwegs in einem Supermercato besorgen).

Canal Grande
Kaum zu glauben, aber dieses idyllische Plätzchen gegenüber des Palazzo Corner della Ca’ Grande direkt am Canal Grande hatten wir für uns allein.
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO200, 20mm, f5.6, 6s - Stativ

Und wieder ist es ein Vaporetto, das uns von Santa Maria della Salute über den Canal Grande zum "schönsten Festsaal Europas" bringt, wie Napoleon die Piazza di San Marco nannte.

San Marco

Heute ist sie vor allem ein Treffpunkt verschiedenster Kulturen und Sprachen, murmelnder Europäer, staunender Asiaten, begeisterter Amerikaner und feiernder Italiener - ein angenehmes lebendiges Hintergrundrauschen. Der Mondschein wirkt in den Schleierwolken wie eine tief dunkelblaue Marmorierung hinter dem Palazzo Ducale und der Piazzetta (Bild unten links).
Ein paar Schritte weiter der Promenade entlang gelangt man zum Hotel DanieliHotel Danieli
Der Palazzo Dandolo wurde bereits im 14. Jh. errichtet in der unmittelbaren Nähe zum Palazzo Ducale und war seinerzeit einer der eindrucksollsten Paläste Venedigs.
Die Zeit hatte seine Spuren an dem Gebäude hinterlassen, als der Hotelier Giuseppe Dal Niel Anfang des 19. Jh. das Gebäude in ein Hotel verwandelte, ihm einen neuen Glanz und seinen Spitznamen "Danieli" verlieh.
und seiner beeindruckenden Empfangshalle, die einen kurzen Blick in die 5-Sterne-Welt Venedigs zulässt (Bild unten rechts).

 
Piazzetta
Wieder zurück an der Piazzetta, aber die Nacht ist noch nicht vorbei!
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Manuell (M), ISO100, 10mm, f8, 8s - Stativ
Hotel Danieli
Das mondäne Hotel Danieli
Canon EOS APS-C, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO3200), 10mm, f5.6, 1/15s

Von der Promenade vor dem Palazzo Ducale hat man einen schönen freien Blick auf San Giorgio MaggioreSan Giorgio Maggiore
Südlich vor San Marco und neben La Giudecca gelegene Insel und Ort eines Benediktinerklosters und der namesgebenden Kirche Basilica di San Giorgio Maggiore.
Ursprünge des Klosters reichen bis ins 10. Jh. zurück, das heutige "Gesicht" aus Kirchenfassade und Campanile stammt aus dem 18. Jh.
(Bild unten), die Insel gegenüber von San Marco und Sitz eines Benediktinerklosters.

San Giorgio Maggiore
Blick aufs Meer
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO100, 29mm, f5.6, 8s - Stativ

Aber wer braucht eine 5-Sterne-Welt, wenn ein Gläschen Wein (Mitbringen! Cafès in der Nähe sind unbezahlbar) im Mondschein, im "schönsten Festsaal Europas" zu Füßen des Campanile das perfekte Ende einer Nacht in Venedig sind.

Santa Maria della Salute
Sie begleitete uns und leuchtete uns den Weg am Canal Grande - aber jetzt heißt es: gute Nacht!
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM, Manuell (M), ISO100, 18mm, f5.6, 15s - Stativ

Noch ein letzter Blick auf Canal Grande und Santa Maria della Salute während der Wartezeit auf das Vaporetto - das Ende einer Nacht in Venedig.

Einkehrtipps & Nightlife

Ok, Venedig ist teuer - fast immer. Ich glaube, die folgenden Tipps helfen ein bisschen ...

Pizza gut und einigermaßen günstig: Findet man im Rossopomodoro, Calle larga San Marco, 404, Venezia (San Marco). Außerdem finden sich dort (meist junge) Venezianer und Touristen in einer bunten Mischung.
Ein Gläschen Wein: Dafür und für einen kleinen Snack empfiehlt sich das Corner Pub, Calle della Chiesa, 684, Venezia (Dorsoduro).
Cicchetti: Das sind die in Venedig typischen kleinen "Häppchen", die überall dort am besten schmecken, wo sie eben nicht durch Fotos oder große Theken präsentiert werden - pragmatisch, zweckmäßig, kühl, im engen Gässchen, aus dem nur Italienisch schallt.

Essen und Trinken in der Öffentlichkeit: Offiziell verboten und doch geduldet gehört es zu den angenehmsten Arten, einen Abend in Venedig zu verbringen - z.B. mit einem Schälchen Oliven, einem Happen Käse, ein paar Cicchetti ("a portare via") und einem Breezer oder Gläschen Wein. Aber bitte den Müll wieder mitnehmen bzw aufräumen (»Venezia è anche tua, rispettala!«).

Übrigens: Das so hochgelobte Eis der Gelateria Nico an der Fondamente Zattere im Stadtteil Dorsoduro halte ich für völlig überschätzt, wenn nicht gar enttäuschend.

Allgemeine Infos

»Venezia è anche tua, rispettala!«: Die Erhaltung und die Sauberkeit der Stadt ist die Verantwortung eines jeden Besuchers.

Parken: Sollte man in den bewachten Parkhäusern in Mestre auf dem Festland. Dort kostet eine Woche kaum mehr als auf Tronchetto ein Tag und der Pendelbus zur Piazzale Roma ist zuverlässig.

Übernachten: In der Altstadt ist es bestimmt unglaublich schön und romantisch, aber ein gewisser Standard (eigenes Bad, etc) ist aber sehr teuer. Günstiger wohnt man auf Lido di Venezia - ich kann nur das B&B Ca' Noemi empfehlen.

Öffentliche Verkehrsmittel: Das Vaporetto ist quasi Bus und Bahn in Venedig. Aktuelle Fahrpläne und -zeiten finden sich auf www.actv.it, eine Tages- oder Mehrtagesfahrkarte bekommt man auf www.veneziaunica.it.
Lido di Venezia hat hervorragende Busverbindungen über die gesamte Insel (auch bis spät in die Nacht), die alle zum Vaporetto-Anleger führen und entsprechend guter Verbindung zur Altstadt.

Rosenverkäufer: Tauchen leider auch hier auf und sind besonders dreist - also schonmal üben, die Damen: die Hände geschlossen hinter den Rücken, wenn eine Rose entgegengehalten wird.
Und wenn das nicht hilft, ein böser Blick und ein unfreundliches "chiamo i carabinieri" vertreiben auch die aufdringlichsten Zeitgenossen.

Ausrüstung: Nichts besonderes, Schuhwerk sollte tauglich für Stadtspaziergänge sein.

Fotoausrüstung: Canon EOS 650D, EF-S 18-135mm IS STM, EF-S 55-250mm IS STM, Sigma 10-20mm f4-5.6 EX DC HSM - und natürlich mein kleines Siriu Reisestativ

Für das nächste Mal: Tagsüber Schnappschüsse einer Gondel oder Besucher mit maximaler Belichtungszeit (z.B. ~1/500s) fotografieren, um die Bewegungen vollständig einzufrieren, Bewegungsunschärfen zu vermeiden und stattdessen höhere ISO-Werte in Kauf zu nehmen - ok, für das Thema "Venice by Night" eher unwichtig.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Freitag, 26. September 2014

Der Herbst ist die Jahreszeit für Fotografen: Streiflicht, tiefstehende Sonne, Nebel, Morgentau - und eben noch nicht so kalt für Finger und Equipment.
Der Herbst hat begonnen und ich möchte schon ein paar Impressionen teilen (auch wenn sie aus dem letzten Jahr sind). Show text

Beschreibung

Zum wirklich guten Fotografen fehlt irgendwie immer etwas. Natürlich kann man immer meckern, über das Equipment (besser geht immer), über das Licht, über das Wetter.
Mir fehlt aber eindeutig eine ganz wichtige Grundlage: das Frühaufstehen ~gähn~

Sonnenaufgang

Ein bisschen gilt mein Neid denen, die zum Sonnenaufgang eines Herbstmorgens über die Hügel der Toskana schauen können. Aber zuhause kann es auch schön sein - so wie letzten Herbst, als ich das neu angeschaffte Makro auszuprobierte.
Morgentau, also natürliche kleine Wassertropfen, das war das Ziel. Der Morgen begrüßte mich auch mit der richtigen Herbststimmung - strahlend blauer Himmel über dichtem Nebel, der Felder und Bäume in diffuses Licht hüllte (Bild unten). Zugegeben, ich war etwas ungeduldig und hätte mit einer geschlossenen Blende (f8-f11) die ersten Strahlen der Sonne über dem Horizont einfangen sollen. Fotografie ist eben nicht nur Technik und Bildaufbau, sondern vor allem Geduld und der richtige Zeitpunkt.

Jägerstand
Die Jagd nach Morgentau
beginnt mit dem Sonnenaufgang
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), 18mm, f7.1, 1/60s

Nachdem die Sonne die Nebelschwaden vertrieben hatte, nahm das Makro seine Arbeit auf: ein Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro. Verschiedene Blenden von f2.8 bis f11, AFAutofokus (AF)
Dabei handelt es sich um die Technik, das Motiv automatisch scharfzustellen. Bei DSLRs misst dabei die Kamera über den Spiegel durch das Objektiv die Schärfe und überträgt notwendige Anpassungen elektronisch an das Objektiv.
-Zusammenspiel mit der Kamera, und natürlich BokehBokeh
Dieser Begriff beschreibt in der Fotografie die Qualität des Unschärfebereichs, die sich vor allem in Kontrastverhalten, Kantendarstellung, Rundheit und Gleichmäßigkeit der Unschärfen sowie Farbsäumen und -fehlern feststellen lässt.
waren das Hauptaugenmerk.

Morgentau

Da ich außerhalb des Studios fast ausschließlich mit dem Available LightAvailable Light
Entspricht auch genau der wörtlichen Übersetzung, nämlich Fotografieren mit verfügbarem Licht ohne künstliche Lichtquellen wie Dauerlicht oder Blitz.
fotografiere, gilt natürlich, genau das auch zu nutzen. D.h. ich suche Motiv und Kameraposition zum Motiv so aus, dass ich die Sonne und ihre natürlichen Reflektionen gezielt einsetzen kann. Bei der Makrofotografie-typischen dichten Position am Motiv gilt ein bisschen die Vorsicht, nicht selbst Schatten ins Bild zu werfen.

Pusteblume
Noch lässt die Sonne, das Available Light, ein bisschen auf sich warten.
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), f4, 1/160s (aus der Hand)

Natürlich sind die glasklaren Wasserperlen und kleinen Spinnweben in der Pusteblume (Bild oben) sehr gut herausgekommen, gut scharf, guter Kontrast. Aber besonders der Übergang in den grünen Hintergrund und das Bokeh haben mich positiv überrascht.

Winterschlaf
Autofokus und Schärfeebene sitzen wie gewünscht - ich find dieses Tamron klasse!
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO400), f4, 1/125s (aus der Hand)

Auch hier (Bild oben - ist das eine nie aufgewachte Löwenzahnblüte?) sind die Wasserperlen knack scharf, der AF passt und hat die Schärfeebene genau wie gewünscht gesetzt.
Beim folgenden Foto (Bild unten) ärgere ich mich ein bisschen, dass ich zum krönenden Abschluss zwar das Stativ aufgebaut habe, aber bei der Blende f4 geblieben bin - hätte ich doch auch gerne die Wasserperlen im Vordergrund scharf gehabt.

Klee
A bit too much - eine Blende f8 hätte den Klee zum Glücksklee gemacht ...
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO250), f4, 1/125s, leichtes Reisestativ, kein Makroschlitten

Dafür war ich (und bin immernoch) hochzufrieden mit der Neuanschaffung. Die Bildqualität ist von f2.8 bis f8 sehr gut, mit f11 geht sie aber sehr rapide bergab (für APS-C aber auch eher seltene Blendenwerte). Der AF trifft fast immer und ist sehr zuverlässig - abgesehen vom gelegentlichen Pumpen im »Full«-Modus.

Ich freue mich schon auf die erste herbstmorgentliche Fotosession dieses Jahr - vielleicht dann auch mit typischen »goldener Herbst«-Bildern.

Tipps

(oder auch »Merke für das nächste Mal«)
Der »Goldene Herbst« ist vor allem warme Farben des langsam bunt werdenden Laubs, das noch an Bäumen hängt, aber auch schon ein wenig den Boden bedeckt.

Aber für den Fotografen gibt es noch ein paar Dinge, die vor allem im Herbst leichter greifbar sind als in anderen Jahreszeiten:

  • Morgentau
    Wie bereits in diesem Blogeintrag gezeigt, mit einem nebligen Herbstmorgen gibt es auch gute Chancen, die kleinen Wasserperlen des Morgentaus auf Blüten, Blättern, Spinnweben, Pilzkappen, etc einzufangen (ohne sie mit einem Zerstäuber faken zu müssen.
  • Pilze
    Pilzkappen sind hier wohl das Stichwort, denn natürlich bieten unsere Wälder vor allem im Herbst ein reiches Angebot an Pilzen.
  • Wein
    Die prallen Trauben kurz vor der Weinlese an Reben, deren Blätter sich vielleicht auch schon verfärben. Nur im Glas kann man Wein noch schöner einfangen.
  • Nebel
    Nebel bietet quasi einen natürlichen DiffusorDiffusor
    Ein Diffusor ist ein Hilfsmittel vor oder um das Blitzgerät und bewirkt eine Streuung des Lichts. Dadurch werden das Blitzlicht selbst, Kontraste und Reflexe weicher.
    für das Sonnenlicht. Das besondere ist, dieser Diffusor ist Teil der Szenerie, lässt Motive mysteriös, Landschaften atmosphärisch und das Licht stimmungsvoll erscheinen.
Und nun noch ein paar einfach Merker: Ich freue mich schon auf Ausprobieren, Lernen, und Ausprobieren, Lernen, ...

Infos

Begleitet hat mich bei diesem Herbstmorgenspaziergang:
Canon EOS 650D, das dazu passende Immerdrauf EF-S 18-135mm STM und das Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro.

Das Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro ist nicht nur mein Macro, sondern auch mein bevorzugtes Portraitobjektiv. Vom vergleichbaren Sigma hebt es sich durch den besseren Bildstabilisator und die kürzere Brennweite (bei APS-C natürlich ein Argument) ab. Obwohl es nicht ganz die Klasse des Canon EF 100mm f2.8L Makros hat, so ist es optisch doch in der gleichen Liga (für den halben Preis) und eben etwas kürzer.
Meine Meinung kann (vermutlich wird) sich aber ändern, denn der Canon-Unterschied macht sich spätestens mit den AFs einer Canon EOS 5D Mark III oder 7D Mark II wirklich bemerkbar.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 24. September 2014

Die Toskana, wunder­schö­ne Land­schaften, Städte als Gesamt­kunst­werke, die Wiege unserer Kultur, Geburtsort der Renaissance und des Humanismus, Ziel für Kultur­reisende, Wein­kenner, Fein­schmecker ...
Aber wie bringt man zwei Teenager dazu, mit auf eine Tagestour zu gehen? „Grazie a Ezio Auditore.“
Show text

Beschreibung

Assassins Creed 2 spielt im (fiktiven) Italien des 15. Jahrhunderts und begeisterte damit Spieler aller Altersgruppen. Was die meisten Spieler vermutlich gar nicht wissen: Viel aus der Zeit des Mittelalters und der Renaissance ist heute noch konserviert – z.B. in alten „BorgiBorgo
Befestigter Ort, dessen oft mittelalterlicher Kern innerhalb der Stadtmauern konserviert wurde.
“.
Wo könnte man also mit dem Erkunden besser anfangen als im Heimatort von Ezio Auditore, dem Protagonisten des Videospiels - so wie wir im Juni 2012.

Monteriggioni

Auf einem Hügel tront MonteriggioniMonteriggioni
Die Gemeinde mit über 9000 Einwohnern (Stand 2012) in der Provinz Siena liegt auf dem Hügel „Monte Ala“ an der historischen „Via Francigena“ ist bekannt für seinen alten Ortskern und der Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert.
wie eine Festung, ursprünglich errichtet von der Republik SienaRepublik Siena
Im Jahr 1147 stellte sich die Bürgerschaft Sienas gegen Bischöfe und Feudaladel und rief die freie Kommune aus. Siena wurde zur Republik und bis ins 16. Jahrhundert neben Florenz (mit der sie ständig in Konkurrenz stand) die einflussreichste Stadt der Toskana - dessen Zeugen heute noch (unter vielen anderen) der Dom „Cattedrale di Santa Maria Assunta“, der Palazzo Pubblico mit seinem „Torre del Mangia“ und die älteste Bank der Welt „Monte dei Paschi“ sind.
als Verteidigungsstützpunkt gegen Florenz. Die Stadtmauer mit ihren elf Tor- und Wachtürmen (um 1200) ist nahezu komplett erhalten, und inzwischen darf man auch wieder hinaufklettern (täglich, €3 p.P. ab 12J).

La Vista d'Auditore
Der Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit - hier fehlt die Villa d'Auditore
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), f11, 1/200s, Stitched with MS ICE

Mitte Juli ist in Monteriggioni das MittelalterfestFesta Medievale di Monteriggioni
Volksfest an zwei Wochenenden im Juli mit perfekter Inszenierung mittelalterlicher Szenen und Gegebenheiten.
: Einwohner tragen alte Kostüme und spielen Gegebenheiten aus dem Mittelalter nach. Ezio Auditore fehlt allerdings (noch), gehört er doch wie auch die Villa Auditore zum fiktiven Teil von Assassin Creed 2.

 
Monteriggioni
Zwischen Touristenattraktion und verschlafener Mittelalterromantik
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), (links) 18mm, f11, 1/160s & (rechts) 34mm, f11, 1/160s

Das „Centro Storico“, der historische Ortskern, ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch zum Schlendern durch die Gassen und Klettern auf die Mauer wert - und wirkt dabei erstaunlich geräumig im Vergleich zu anderen Festungsorten.

Klatschmohn
Der Blick von Abbadia Isola auf die Türme
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO125), 18mm, f11, 1/400s

Im Stadtteil Abbadia Isola (Nebenstraße Richtung Colle di Val d'Elsa) lohnt sich ein kurzer Besuch der Abbazia dei Santi Salvatore e Cirino (gegründet 1001). Außerdem hat man von dort den vermutlich schönsten Blick auf Monteriggioni (Bild oben).

San Gimignano

Immernoch sind viele Straßen in der Toskana Schotterwege, die sogenannten „Strade BiancheStrada Bianca
Bezeichnung für die Schotterwege in der Toskana, die hell durch die Sonne beleuchtet sich wie „weiße Straßen“ durch die Landschaft ziehen.
“, wie auch hier (Bild unten) mit Blick auf San Gimignano zu sehen. Für viele ist das Netz der Strade Bianche die schönste Art, die Toskana zu entdecken - ich kann nur zustimmen.
San GimignanoSan Gimignano
Die Kleinstadt mit weniger als 8000 Einwohnern (Stand 2012) in der Provinz Siena liegt an der historischen „Via Francigena“ im Val d'Elsa. Ihr mittelalterlicher Stadtkern ist seit 1990 Teil des UNESCO Weltkulturerbes und wird wegen seiner von weitem sichtbaren Skyline der ehemals 72 Geschlechtertürme auch „Stadt der Türme“ genannt.
ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Die 14 heute noch verbliebenen GeschlechtertürmeGeschlechterturm
Einflussreiche Familien errichteten diese meist quadratischen Wohntürme zur Verteidigung im von Fehden geprägten Frühmittelalter. Die Höhe des Turms war dabei Ausdruck von Stärke und Ansehen des Geschlechts.
sind ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Bauwerke. Bieten diese Wehrtürme hinter meterdicken Mauern als Schutz nur wenige Quadratmeter Platz im Innenraum, so war ihre Höhe Ausdruck der Überlegenheit über den Nachbarn.

Skyline
Das Manhattan der Toskana mit seinen noch 14 verbliebenden Geschlechtertürmen
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), 55mm, f11, 1/250s

Von der zerstörten Burg Rocca di Montestaffoli steht nur noch ein Turm, aber ihre erhöhte Lage erlaubt einen schönen Blick über San Gimignano (Bild links unten) und seine Umgebung. Südlich der Burg geht es quer über die Piazza dell’Erbe zur Piazza del Duomo und dem Duomo Santa Maria Assunta. Im früheren Kreuzgang zwischen Dom und Rathaus geht es zum Eingang der von Fresken übersäten Chiesa Collegiata (Hauptkirche des Doms; Mo-Fr 9.30-19h, Sa 9.30-17h, Eintritt €3 p.P. ab 12J). Vom Domplatz aus sieht man das Gebäude der Ghibellini-Salvucci mit seinen Zwillingstürmen.

 
Le Torri
Links der Blick vom zerstörten Rocca di Montestaffoli, rechts von der Piazza dell Cisterna auf den Torre del Diavolo
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II

Südlich des Domplatzes ist die Piazza dell Cisterna, ein dreieckiger Platz mit der Zisterne im Zentrum. Am Platz liegen einige historische Gebäude, darunter auch der Palazzo Lupi mit seinem Torre del Diavolo (Bild oben rechts). Auch hier liegt der Ursprung des Namens in der Legende, dass der Teufel beim Bau behilflich war.

Aussicht vom »Torre Grossa«
218 Stufen zum Wahnsinnsblick auf San Gimignano und die Terre Senesi
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Zeitautomatik (Av), Auto ISO (ISO100), 18mm, f11, 1/160s

Der „fette“ Rathausturm Torre Grossa (tägl. 9.30-19h, Eintritt €4 ab 12J) bietet nach 218 Stufen Aufstieg einen Wahnsinnsausblick auf San Gimignano und die Hügel der Terre Senesi (Bild oben und Bilder unten). Und im Gegensatz zu beispielsweise „La Cupola“ des Doms in Florenz und „Torre del Mangia“ des Rathauses in Siena ist er auch für Leute geeignet, die unter Klaustrophobie leiden.

 
Aussicht vom »Torre Grossa«
Man fühlt sich wie Ezio Auditore da Firenze
Jetzt der Adlersprung - aber wo ist der Wagen mit Heu?
Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, Stitched with MS ICE

Ins San Gimignano des 15. Jahrhunderts - damals soll die Skyline sogar aus 72 Geschlechtertürmen bestanden haben - wird Ezio Auditore in der Fiktion des Videospiels wegen der PazziPazzi
Im Mittelalter einflussreiche Adelsfamilie und Bankiers aus Florenz, die nach einem fehlgeschlagenen Anschlag auf die Medici („Pazzi-Verschwörung“, 1478) aus Florenz verbannt wurden.
geführt. Die gab es wirklich, und gehört ihre Fehde mit den Medicide' Medici
Untrennbar ist dieser Name mit der italienischen Renaissance und Florenz verbunden. Durch Textilhandel im ausgehenden Mittelalter wohlhabend geworden, entwickelten sich die Medici nicht nur zur Herrschaftsfamilie der Republik Florenz, sondern zu einer der einflussreichsten in ganz Europa, beeinflussten Oberhäupter im Vatikan und Thronsälen und schmückten ihre Heimatstadt mit Werken der Malerei, Kunsthandwerk und Architektur der berühmtesten Künstler ihrer Zeit.
und die Pazzi-VerschwörungPazzi-Verschwörung
Eigentlich durch die päpstlichen Bankiers in Florenz, den Salviati, initiiert ist die „Pazzi-Verschwörung“ die Verabredung des Florentiner Papstgetreuen zum Staatsstreich gegen die herrschenden Medici und ihren Einfluss in Italien. Am Ostersonntag des Jahres 1478 sollten Lorenzo und Guiliano de' Medici ermordet werden, Lorenzo allerdings entkam verwundet.
Die Verschwörer wurden durch einen wütenden Mob getötet und die Familie Pazzi aus der Stadt gejagt. Salvati, obwohl Erzbischof, wurde gehängt, was zu schweren diplomatischen Verwicklungen mit dem Kirchenstaat führte.
zwar eher nach Florenz, ist es doch ein gutes Beispiel für die Auswirkungen der Machtkämpfe zwischen Ghibellinen (Kaiser) und Guelfen (Kirche) im 14. Jahrhundert auf die toskanischen Adelsfamilien und Stadtstaaten - und bestimmt mitverantwortlich für den Bau der Türme.

Einkehrtipps

Machen wir uns nichts vor: Monteriggioni und San Gimignano gehören zu den bekanntesten Zielen in der Toskana und sind daher sehr touristisch, was wiederum in der Regel leider den kulinarischen Standard oder zumindest das Preis-/Leistungsverhältnis senkt.
Trotzdem! Gute italienische Küche gibt es in der Toskana überall, ist nur manchmal etwas schwerer zu finden. Kleiner Tipp: Italiener gehen sehr spät Abendessen, d.h. die bei den Einheimischen beliebtesten Lokale sind die nach 21 Uhr belebtesten.

Übrigens: Das so hochgelobte Eis der Gelateria Dondoli an der Piazza Cisterna, San Gimignano, halte ich für überschätzt. Die Pasta der Trattoria Chiribiri an der Piazza della Madonna, San Gimignano, ist wiederum sehr lecker (Mittagessensempfehlung).

Ansonsten verweise ich an dieser Stelle gerne auf meine Quellen für Einkehrtipps Tripadvisor und Terra-Antiqua.

Einkaufsmöglichkeiten

Jeder große Supermarkt in den Centri Commerciali - Öffnungszeiten und Adressen finden sich am besten unter http://www.aperture-supermercati.it, einfach unter »Città« den Städtenamen eingeben und mit »Cerca« suchen.
Übrigens sind dort auch Souvenirs und Mitbringsel, z.B. Panforte oder die meisten Standardweine, meist etwas günstiger als im Souvenirladen in einer gut besuchten Altstadt.

Nightlife

Die Altstadt von Monteriggioni ist ausgestorben, nachdem die Touristen die Stadt abends verlassen, und lohnt daher wenig als Nightlife-Ziel.

San Gimignano bleibt sehr viel länger lebendig. Ein Abend kann gut in einer Enoteca mit einem Glas „VernacciaVernaccia di San Gimignano
In den Hügeln rund um San Gimignano bewirtschaften über 200 Winzer die über 600ha zugelassenen Rebflächen für den Weißwein Vernaccia, dessen Geschichte sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Es war in den 1960er Jahren der erste italienische Wein „Denominazione di Origine Controllata“ DOC, heute DOCG „... e Garantita“
“ begonnen werden, dem Weißwein aus San Gimignano. Und für ein romantisches Abendessen im Anschluss bieten sich auch genügend Möglichkeiten - ein eisgekühltes Fläschen „Vernaccia“ darf natürlich auch hier nicht fehlen.
Wobei dieses Fläschen „Vernaccia“ bestimmt auch lecker schmeckt zusammen mit ein bisschen „Prosciutto“ (vielleicht vom Cinta Senese), „Olive verde“ (natürlich die großen), „Pecorino“ (zu dem ein bisschen Honig nicht fehlen darf) als kleines Picknick auf einem der Plätze.

Außerdem bieten sich noch Volterra (30km südwestlich) und vor allem Siena (40km südöstlich) als Ziele für ein bisschen Nightlife an.

Allgemeine Infos

Parken Monteriggioni: Parkplatz an der Strada di Monteriggioni außerhalb der Stadtmauern (den oberen Parkplatz, nicht den direkt an der Via Cassia)
Parken San Gimignano: (alle kostenpflichtig) Parcheggio Guibileo (mit Shuttle), Via di Castel oder Parcheggio Montemaggio, Piazzale Martiri Montemaggio (beide südl. der Altstadt) oder Parcheggio Bagnaia, Via Bagnaia (nördl. der Altstadt)

Strecke: ~26km, asphaltierte Straßen ... aber! Es empfiehlt sich, sämtliche Möglichkeiten auf der Stecke zum „sich Verfahren“ auszunutzen und über kurvige, teils unbefestigte Schotterstraßen die Hügel der Region, alte Herrenhäuser (ob verlassen oder restauriert und als Hotel betrieben), Land- und Weingüter, und so vieles mehr zu erkunden!
Ausrüstung: Nichts besonderes, Schuhwerk sollte tauglich für Stadtspaziergänge sein.

Fotoausrüstung: Canon EOS APS-C, EF-S 18-55mm IS II, EF-S 55-250mm IS II
Für das nächste Mal: Ein Ultraweitwinkel, z.B. das neue EF-S 10-18mm IS STM, um die faszinierende Architektur zwischen Mittelalter und Renaissance noch besser einzufangen.
Nicht mehr Blende f11 für Landschaft und Architektur bei gutem Licht (eine alte Angewohnheit als Teenager aus Zeiten der analogen Fotografie).
Frühjahr oder Spätherbst, damit ich um 9.30 vom „Torre Grossa“ das Streiflicht im morgentlichen Nebel einfangen kann.

Karte


Danke sehr fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.