Freitag, 20. November 2015

»Goldener Herbst« 2015

Der goldene Herbst war dieses Jahr 2015 besonders schön. Die Kombination aus Gelb- und Goldtönen in der Natur mit strahlendem Sonnenschein, tiefstehender Sonne, Nebel, Morgentau ...
Man kann es nicht oft genug sagen, die perfekte Zeit für Natur- und Landschaftsfotografen, aber auch für Makros und Portraits im Freien. Show text

Beschreibung

So viele Herbstfotos wie dieses Jahr habe ich noch nie gesehen. Man konnte sich kaum entziehen, und es wurde zum Trend, sich gegenseitig die festgehaltenen Herbstfarben zu zeigen. Egal, ob Handyaufnahme oder hochauflösende Digitalkamera, Natur und Wetter zeigten sich wie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Menü von ihrer schönsten Seite. Ein wahrlich »goldener Herbst«.

Herbstlicht

Ich bin wirklich kein Frühaufsteher. Selbst im Herbst, wenn der Sonnenaufgang sich langsam meiner aktiven Phase am Tag nähert, der Morgen ist nicht gerade meine Zeit. Egal, die tiefstehende Sonne an langen, ausgedehnten Herbstnachmittagen und -abenden bietet Streiflicht, Gegenlicht und wunderbare Herbstfarben zur goldenen StundeGoldene Stunde
Nicht so bekannt wie die blaue Stunde, so ist die goldene Stunde die Zeit nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang. Durch die schräg durch die Atmosphäre fallenden Strahlen der tief stehenden Sonne reflektieren und streuen Partikel und Luft das Licht und weniger blaues Licht erreicht die Erde, was wiederum zu einer wärmeren Farbtemperatur führt.
mit tollen Reflexionen und Lichtspielen.

 
Neckarreflexionen
Warten auf die goldene Stunden
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM,
AutoISO (ISO100), 50mm, f5.6, 1/250s
Herbstfarben
am besten im Mischwald
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM,
AutoISO (ISO100), 72mm, f5.6, 1/125s

Gegenlicht

Vor allem der Look des Canon EF 50mm f1.8 STM macht süchtig nach Gegenlicht. Ich hatte schon den Vorgänger und war eigentlich immer begeisterter Anhänger dieses unglaublichen Preis-/Leistungsverhältnisses. Klar, es gibt bessere 50mm-Objektive, vor allem im Bereich Laborwerte Kontrast und Schärfe für viele Megapixel (der D810, 5Ds oder A7II).

Dafür bekommt man für etwa €125,- eine niedrige Naheinstellgrenze, ein rundes Bokeh, schnellen und fast lautlosen STM, und treffsicheren Autofokus in einem ansonsten knackscharfen Portraitobjektiv, das sich vor allem bezüglich Charakter nicht verstecken braucht. Der Look ist einzigartig und kann/darf mit LR oder PS auch gar nicht angefasst werden ...

 
Zaunkönig
Gegenlicht I like
Canon EOS APS-C, EF 50mm f1.8 STM,
AutoISO (ISO100), f2.8, 1/800s
Ahornblatt
mit Flare (Wortwitz)
Canon EOS APS-C, EF 50mm f1.8 STM,
AutoISO (ISO100), f2.2, 1/250s

Die 50mm an einer APS-C-Kamera (x1.6 ergeben eine "reale" Brennweite von 80mm) sind eigentlich eine perfekte Portraitbrennweite. So, Portrait, Streif- oder Gegenlicht, Herbstfarben, goldene Stunden ... haben will.

Also ab in den Wald. Gelb, gold, rot glitzert das Bokeh im Hintergrund während warmes Licht eine angenehme Farbe in Gesichter zaubert. Mit richtig Gegenlicht muss natürlich aufgehellt werden - leider kein Bildmaterial, da ich weder Beautybox noch Diffusor noch Blitzer dabei hatte. So habe ich den Wald als Diffusor genutzt - klasse Licht!

Portrait
mit goldenem Bokeh
Canon EOS APS-C, EF 50mm f1.8 STM,
AutoISO (ISO100), f2.2, 1/250s

Abschließen möchte ich das ganz noch damit, dass natürlich ein Besuch im Wald nicht beim Portraitsfotografieren endet. Wir haben uns einen Spaziergang und Kaffee und Kuchen gegönnt bei einem Besuch beim Schloss Lichtenstein, bevor die Sonne dann vollständig hinter Hügel und Bäumen verschwandt und uns die Dunkelheit langsam nachhause trieb.

 
Baumschatten
auf goldenem Laub
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM,
AutoISO (ISO125), 18mm, f5.6, 1/40s
Schienen
ins goldene Zeitalter
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm STM,
AutoISO (ISO100), 64mm, f5.6, 1/125s

Infos

Begleitet hat mich bei diesen Herbstimpressionen:
Canon EOS 70D, das dazu passende Immerdrauf EF-S 18-135mm STM, das EF-S 10-18mm STM und das EF 50mm STM.

Schloss Lichtenstein, das »Märchenschloss« Württembergs, aus dem 19. Jh. liegt im Kreis Reutlingen auf der schwäbischen Alb.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 4. November 2015

»Paralleluniversen« - Florenz

Reiseführer über Reiseführer schreiben über die einzigartigen Sehenswürdigkeiten aus Mittelalter und Renaissance in Florenz. In den Unmengen von Lifestyle-Magazinen sammeln sich genügend Insidertipps, Empfehlungen und Beschreibungen über das Nightlife in Florenz, über Clubs und Bars, immer auf der Suche nach dem Neuen und Besonderen. Show text

Beschreibung

Warum gibt es jedoch nur wenig Informationen darüber, wie man in Florenz einen entspannten Tag verbringen kann, und das ganz ohne Besuch in Museen, Kirchen, Palästen? Ganz ohne überteuerte Restaurants, Clubs und Bars?

     
Sehenswürdigkeiten
Domkuppel, Santa Croce, Palazzo Vecchio, Neptunbrunnen

Ja, das geht. Es ist sogar gar nicht weit, auch nicht versteckt, teilweise sogar in Reiseführern erwähnt ... und damit sind wir beim eigentlichen Thema dieses Beitrags angekommen, denn ich würde das gerne hiermit ändern.

Kleiner Tipp: Wochentags funktionieren die hier beschriebenen Sachen am allerbesten ... nicht, dass wir alles genau so gemacht haben. Aber fast! Und ich würde es beim nächsten Mal genau so machen!

Prima Colazione

Kaffee und etwas Süßes, so starten wir in Italien in den Tag, und das für normalerweise €1,- je Espresso und maximal €1,50 je Dolce. Genau das ist in Florenz leider gar nicht so einfach, schon gar nicht gemütlich im Sitzen. Nicht weit von Santa Croce, der großen Franziskanerkirche und Ruhestätte Michelangelos und Gallileis, ist das Dolce Lab, Via de' Macci 38r. Cupcakes und verspielte süße Kreationen werden dem Namen gerecht. Schlicht, aber niedlich eingerichtet, kann man während Kaffee und ein, zwei oder einfach vielen süßen Sachen das WLAN für die Korrespondenz mit Zuhause nutzen oder einfach nur genießen. Etwas Platz sollte aber trotz Schwelgens in Zucker trotzdem gelassen werden, weil es geht hier tatsächlich viel ums Essen!

Leider ist es nicht ganz preiswert und irgendwie gar nicht typisch italienisch, zumindest etwas zu modern dafür. Egal, Tod durch Schokolade muss nicht Dantes Italienisch sprechen, sondern darf wie das heutige Italienisch ein paar Anglizismen haben. Außerdem gefällt es mir, wenn Besitzer die TripAdvisor-Rezensionen beantworten.

Fare la Spesa

Einkaufen? Da denken wohl die meisten Leute in Florenz an Kleidung, Schuhe, Schmuck (auf der Ponte Vecchio), ... Ich meine damit eher - ja, genau, Hauptthema heute - Essen. Der Mercato di Sant'Ambrogio, Piazza Ghiberti, ist zwar etwas kleiner als der Mercato Centrale, dafür authentischer und beliebter bei den Einheimischen. Die ganze Gegend wirkt "bewohnt", Wohnhäuser, kleine Läden ganz ohne Souvenirs, kleine Cafes ganz ohne Touristenmenü, Teenager auf dem Heimweg von der Schule, Fiorentiner, die ihre Einkäufe nachhause tragen, ...

 
Mercato di Sant'Ambrogio
Sehen, riechen, schmecken, einkaufen - außen wie innen

Die beste Zeit zum Einkaufen ist zwischen Frühstück und Mittagessen, damit sich die süßen Sachen (siehe Frühstück) durch das Spazieren durch die Stände des Marktes außen wie innen etwas besser verdauen lassen.

Besonders beeindruckend ist das Angebot im Herbst, wenn in good old Germany schmackhaftes Gemüse schon die Supermärkte verlassen hat, betört der Markt mit seinem frischen Angebot aus Fiori di Zucchine, Porcini, Melagrane. Tomaten, die so geschmackvoll sind, wie man sie bei uns nur noch beim Feinkosthändler bekommt. Leckerster Schinken, Salami und Käse. In den Macellerie kann man sich kaum entscheiden zwischen Ossobucco oder Bistecca. Nur mit Trippa, Street Food-Spezialität und an jeder Ecke zu finden, hab ich mich noch nicht angefreundet.

 
Mercato di Sant'Ambrogio
Unwiderstehlich
   
Mercato di Sant'Ambrogio
Unwiderstehlich

Pranzo

Da wir nun schonmal da sind. Mitten in der Markthalle des Mercato di Sant'Ambrogio ist die Trattoria da Rocco. Man sitzt ein bisschen wie in einem Großraumabteil der Bahn: Mehrere Sitzgruppen aus sich gegenüberliegenden Dreierbänken, ein Gang, und auf der anderen das gleiche nochmal. Man bekommt keinen freien Tisch zugewiesen, sondern einen freien Platz. Das macht einen Besuch bei Rocco immer auch zu einem Treffen mit neuen Bekannten. Alte Bekannte werden schon von weitem mit Namen begrüßt und zu Tisch gebeten - hier geht man Mittagessen, hier geht man Leute treffen (ci vanno a pranzare, ci vanno a incontrarsi).

Das Essen ist einfach, aber unglaublich lecker und verhältnismäßig preiswert (für Florenz allemal). Ein Glas Wein kostet €2,-, ist aber in Wirklichkeit ein leeres Glas und der Fiasko wird auf den Tisch gestellt (Nachschenken natürlich erlaubt). Wer auf den Wein verzichtet, muss sich Roccos erstaunten Blick allerdings gefallen lassen.

 
Trattoria da Rocco
ci vanno a pranzare, ci vanno a incontrarsi

Als Primo Piatto empfehle ich die hausgemachte Tagliatelle ai Pomodori (so einfach es klingt, so unwiderstehlich schmeckt es) oder aber ein jahrhundertealtes typisches Gericht, Pappa al Pomodoro (Brot-Tomaten-Brei mit Salbei) - lecker, und wer's nicht glaubt, sollte es mal probieren.

Wer nach dem Frühstück (wir erinnern uns) und der Vorspeise noch Platz hat, ich kann leider wenig über den Geschmack der angebotenen Secondi und Contorni sagen - aber Aussehen und Geruch, seeehhr lecker.

Als ob nicht schon genug gegessen wurde, eine Nachspeise muss sein. Ob Crema Catalana oder Tiramisu - letzteres nicht nur eines der besten überhaupt, es überrascht auch mit Schokosplittern in der Mascarponecreme (lecker!).

Passeggiata

Rocco ist ein Original ohne dabei aufdringlich oder nervig zu sein. Es fällt ein bisschen schwer, den Zuschauerraum für das Schauspiel um ihn und seine Gäste zu verlassen - oder sich gar selbst Teil davon werden zu lassen.

Es ist nach so viel essen wieder ein bisschen Zeit, sich die Beine zu vertreten. Die Gegend zwischen Sant’Ambrogio und Santa Croce wirkt irgendwie einladend für einen kleinen Spaziergang. Bei Santa Croce mehrt sich das natürliche Aufkommen von Touristen merklich, ist aber durch ihren großen Vorplatz, auf dem das alljährliche Calcio Storic stattfindet, nicht weiter schlimm.

Santa Croce
Letzte Ruhestätte Michelangelos und Galileo Galileis
   
Mercato di Sant'Ambrogio
Unwiderstehlich

Am besten, man „verläuft sich“ in den Gassen auf der anderen Seite des Platzes - man darf dabei auch der Piazza della Signoria zu nahe kommen - und zwar kontrolliert Richtung Nordnordwest Richtung Biblioteca delle Oblate in der Via dell’Oriuolo.

 
Verlaufen
ein bisschen, im Rahmen, man erkennt die Grenzen

Caffè

Der obere Teil der Bibliothek, die im Kreuzgang eines ehemaligen Klosters untergebracht ist (an und für sich schon einzigartig!), sind Aufenthaltsräume und die Caffetteria delle Oblate, Via dell'Oriuolo 26 voller junger Leute, Studenten, die ihre Nasen in Bücher und Laptops stecken, und ein paar Besuchern wie uns oder der (so echt, quasi sprachlos) staunende Papa, der seine Tochter (offensichtlich Studentin in Florenz) besuchte.

   
Biblioteca delle Oblate
Lernen mit Aussicht

Warum Lernen hier besonders cool ist und dem Papa beim Besuch des Cafes in der Bibliothek die Kinnlade Richtung Tisch fällt? Naja, seht Euch die Aussicht an ... nahezu unbehelligt von den Touristenmassen hat man hier über den Dächern Florenz einen wunderbaren Ausblick auf Cupola und Campanile des Duomo Santa Maria del Fiore.

Warum bei dieser Kulisse noch niemand eine Parcour-esque Verfolgungsjagd über die Dächer gedreht hat, bleibt wohl ein Geheimnis der James Bond-Drehbuchautoren (mindestens so cool wie durch die Menge beim Palio in Siena) ...

Aperitivo

Von hier führen viele Wege Richtung Arno und einer Brücke auf die andere (Süd-)Seite. „Ponte Vecchio“, mag der ein oder andere dabei denken, und wir haben es uns tatsächlich angetan - im Herbst geht es auch einigermaßen und es sieht lustig aus, wenn sich plötzlich von einer Querstraße auf die andere die Anzahl Menschen pro Quadratmeter vervierfacht (zurückhaltend geschätzt).

 
Ponte Vecchio
Stau wegen erhöhtem Besucheraufkommen

Clubs waren nur selten mein Ding und mittlerweile zähle ich zur Kategorie Gammelfleisch und muss mir die Peinlichkeit eines Clubbesuchs nicht antun. Bars und Restaurants für ein entspanntes Beenden eines Tages und/oder Starten der Nacht finden sich rund um Santo Spirito südlich des Arnos - ohne einzelne hervorheben zu wollen.

Hier empfehle ich ein bisschen Spontanität. Mancher empfindet eine kleine Theke ohne echte Sitzgelegenheiten innen wie außen und einer großen Traube feiernder Italiener als einladend, andere eben die ruhige kleine Enoteca mit gemischtem Klientel zwischen Angestellten und jungen Familien auf dem Nachhauseweg sowie Mittsechzigern beim Schlummertrunk.

Es muss aber gar kein Aperitivo sein, keine Bar, o.ä. Es kann auch einfach nur ein Eis sein, z.B. wie ein Crema di Filo im Il Gelato di Filo, Via San Miniato 5r, bei einem gemütlichen Abendspaziergang ...

Cena e Bellavista

Wer jetzt denkt, dass ich damit irgendein Restaurant meine, dass nur wegen seiner Panoramaterasse teures Geld für wenig Essen verlangt, der irrt ein wenig.

Einkaufen stand ja auf der Liste (siehe Fare la Spesa) ...

Hier die Empfehlung für ein leckeres und günstiges Abendessen für zwei Personen: Beim Einkaufen vormittags an einer Macelleria im Mercato di Sant’Ambrogio ein Ciabatta in der Länge halbieren, aufschneiden und individuell mit Salami oder Schinken und Käse belegen lassen. Dazu ein paar Antipasti (z.B. gegrilltes Gemüse, das man dann kurz vor dem Verzehr noch auf das Ciabatta packen kann, oder Oliven, ...) von Rocco oder einem anderen Stand zum Mitnehmen einpacken lassen. Wein, Prosecco, ... an irgendetwas zum Trinken sollte man für ein entspanntes Abendessen natürlich auch gedacht haben.

Aussicht
von der Südseite des Arnos

Auf der Piazzale Michelangelo kann man nach etwas mühsamen Aufstieg dann ganz gemütlich zwischen den ganzen Touristen und Souvenirständen bei einem leckeren Sandwich die Aussicht genießen. Wie die letzten Sonnenstrahlen sich als Streiflicht durch die Ponte Vecchio auf den Arno verirren. Wie die blaue Stunde sich über die Stadt legt und mit den Lichtern der Straßen und Sehenswürdigkeiten konkurriert, aber unweigerlich das Spiel mit Einbruch der Nacht verliert.

Busse der Linie 13 Richtung Bahnhof fahren hier bis spät abends. Der Parkplatz ist kostenlos (daher fast immer belegt), wer sein Auto hier abgestellt hat (oder sich den Aufstieg zu Fuß gespart hat).

Man kann das gleiche aber auch am Arnoufer machen, z.B. auf einer Bank auf der Piazza Niccola Demidoff mit dem Hotel Silla (sehr gepflegtes und sauberes Hotel) und dem Palazzo Serristori als Kulisse. Die Aussicht ist nicht ganz so weit, aber dafür ist es etwas ruhiger.

Essen und Trinken

Trattoria da Rocco, Mercato di Sant'Ambrogio
Einfach, schlicht, und doch etwas besonderes ... Leben aufsaugen und bodenständig lecker essen.

Dolce Lab, Via de' Macci 38r
Cupcakes und verspielte süße Kreationen. Ein bisschen modernes Florenz am Rande des Dante-esquen Altstadtflairs.

Caffetteria delle Oblate, Via dell'Oriuolo 26
Lernen kann wirklich cool sein - erst recht in so einer Umgebung: Studentencafe mit außergewöhnlicher Aussicht.

Il Gelato di Filo, Via San Miniato 5r
Einfache Eisdiele mit leckeren Sorten - die Haussorte Crema di Filo probieren -> lecker!

Ausrüstung

Für einen Tag in Florenz bietet sich ein kleines Reisepaket an: Standardzoom (weil Standard), Ultraweitwinkel (für Architektur, etc), Portraitlinse (zum Momente einfangen), ...
Ok, es geht auch ohne Kamera, denn eigentlich handelt dieser Post vom Essen ...


Fleckchen dieser Welt, wie die Altstadt von Florenz, werden nicht ohne Grund von vielen Menschen besucht. Daher suchen wir quasi eine parallele Dimension - und ich denke, hier haben wir ein bisschen davon für Florenz gefunden ...

Auch diesmal wieder: Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

Freitag, 4. September 2015

Das ist gar nicht wertend gemeint, sondern eigentlich nur eine natürliche Antwort auf eine klischeehafte Frage: „Wir sind nächstes Wochenende in Hamburg.“ „Ach, geht Ihr ins Musical?“
Nein, tun wir nicht. Wir sind in Hamburg, weil Hamburg die schönste Stadt Deutschlands ist. Show text

Beschreibung

Und war dieser Sommer 2015 nicht schön? In Deutschlands Süden eindeutig viel zu heiß, wurden in Hamburg endlich all die vielen Cabriofahrer für ihre Autowahl belohnt. Aber auch Cabriofahren stand bei uns nicht auf dem Plan.
Also was machen wir in Hamburg an einem langen Sommerwochenende?

Sehenswürdigkeiten bietet Hamburg viel – Michel (oder genauer gesagt die Sankt Michaelis Kirche), Landungsbrücken, Hafen, Hafencity, Speicherstadt, Miniaturwunderland, Museen, Reeperbahn, Altona, Museumshafen Övelgönne, ... das wird wohl nie eine vollständige Liste – und man braucht auch viel Zeit, um alle zu sehen.

Seele baumeln lassen, die Stimmung der Stadt genießen, einfach nur ein schönes Sommerwochenende verbringen, dazu brauchen wir in Hamburg keinen Reiseführer mit Liste zum Protokollieren (besucht/gesehen/nächstes Mal).

Vor Sonnenuntergang

Hamburg im Sommer sollte eigentlich einen Besuch am Elbstrand beinhalten. Auch wenn es viele nicht gerade originell finden, so treffen sich vor allem wochentags (Mittwoch ist zu empfehlen) viele Leute nach Feierabend noch auf Bier, Fritz-Cola oder Rhabarberschorle in der Strandperle oder machen etwas weiter Richtung Övelgönne ein Picknick am Strand. Und ich kann nur sagen: Mitmachen!

 
Elbstrand
Feierabendbier in der Strandperle

Die Kulisse ist dabei das schönste: Elbabwärts im Westen neigt sich die Sonne dem Horizont und taucht alles in angenehmes Streiflicht, am anderen Elbufer scheinen die Kräne des Hamburger Hafens zum Greifen nahe und der Hintergrund wird gebildet von alten „Strandhäusern“ eng angeschmiegt an den steilen Hang, der zum Altonaer Balkon und den großen Villen mit weitem Elbblick. Ist nicht gerade Hafengeburtstag, tummeln sich nur wenige Wasserfahrzeuge, die großen Containerfrachter sind aber immer wieder ein Hingucker.

Picknick ist aber auch ein Stichwort, das bei sonnigem Wetter wochends tagsüber wie wochentags abends auch prima an die Alster passt. Der Alsterpark an der Außenalster bietet schöne Wiesenflächen (für diejenigen, die es sandfrei bevorzugen, sehr zu empfehlen) und einen etwas – vielleicht eher völlig – anderen Charakter.
Auf der Außenalster tummeln sich bei schönem Wetter viele, wirklich viele Wasserfahrzeuge. Besonders Jollensegeln ist auf der Außenalster etwa so normal wie Fußballspielen im Park. Und natürlich ist keine Hafen zu sehen, die Alster ist eher von Bäumen und Villen gesäumt mit Geschäftsbedäuden im Hintergrund.

 
Aussenalster
Picknicker und Wassersportler
 
Gesättigt
Sonnenuntergang genießen ...

Auf der einen Seite hat ein Picknick im Alterpark nicht den „Partycharakter“ des Elbstrands, ist dafür aber definitiv entspannter und der Spaziergang nach dem Essen zumindest einfacher (auf guten Wegen läuft es sich einfach besser als über Sand).

Nach Sonnenuntergang

Was macht man nun, nachdem man in den Sonnenuntergang gechillt hat? Man könnte sich dem Treiben an Elbstrand, in den Bars in Altona, an Elbe oder Alster, ... einfach treiben lassen.

Blue Hour
Da gibt es schon mal Gedränge unter den Fotografen ...
Canon EOS APS-C, EF-S 18-135mm IS STM, 18mm, ISO100, f7.1, 30s

Wir habe die Blue Hour genutzt für ein paar Fotos in der Speicherstadt, einen Abendspaziergang durch die Hafencity gemacht und den Abend mit einem Bierchen im Fleetschlösschen abgeschlossen.

 
Speicherstadt
Am Fleetschlösschen vorbei zum Maritimmuseum ...
 
Speicherstadt
... und wieder zurück, den Abend ausklingen lassen.

Was gibt es sonst noch?

Ok, Regenwetter ist irgendwie immer blöd. Museen hat Hamburg zwar genug, alleine in der Speicherstadt kann das Maritimmuseum Schiffsbegeisterte genauso einen ganzen Tag verschlucken wie Modellbaubegeisterte das Miniaturwunderland. Bei letzterem würde ich mit Anmeldung hingehen, da der Andrang normalerweise lange Wartezeiten beinhaltet.
Speicherstadt bietet aber bei schlechtem Wetter auch von außen eine tolle Kulisse, wenn sich die Backsteinfassaden in regennasser Straße spiegeln – nur im Sommer fehlt der dazu so passende Nebel über den Kanälen ein bisschen ...

   
Rathaus
Besichtigung und Stadtbummel

Wir haben diesmal einen Bummel durch Alsterarkaden und der nahen Einkaufsmeile mit einer kurzen Besichtigung des geschichtsträchtigen Rathauses verbunden. Das Gebäude im Stil der norddeutschen Neorenaissance mit seinem 112m hohem Turm ist gleichzeitig Rathaus und Parlaments- (Bürgerschaft) und Regierungssitz (Senat) der Freien- und Hansestadt Hamburg.

 
Elbtaxi
Hafenrundfahrt

Außerdem sind wir, als das Wetter langsam besser wurde, von der Elbphilharmonie bis Teufelsbrück mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren – für alle nicht-Hamburger: die HADAG Hafenfähren pendeln zum HVV-(Bus&Bahn)-Tarif die Elbe rauf und runter von Ufer zu Ufer. In unserem Fall an der Hafencity vorbei Richtung Landungsbrücken, weiter am Altonaer Kaispeicher und dem Kreuzfahrtterminal vorbei nach Övelgönne und noch weiter Richtung Teufelsbrück.

Övelgönne
Elbabwärts

Noch mehr?

Es gibt noch so viel mehr und so viel erzählenswerte Kleinigkeiten vom Eisessen bei den Eisprinzessinnen in Ottensen und das Kaffeetrinken und (glutenfreie) Torteessen in der Konditorei Eichel in Eimsbüttel über Frühstück an Elbe (Engel, Teufelsbrück) oder Alster (Hüftgold, Uhlenhorst) und Fischbrötchen am Fischmarkt.
Oder nicht erzählenswerte Dinge wie den völlig überfüllten Ice Creme Market in den Schanzenhöfen oder die abends völlig verlassene Speicherstadt und Hafencity (erinnert mich an City of London, wo die Bars für das Feierabendbier der Geschäftsleute auch nur bis 22Uhr geöffnet haben und der gesamt Stadtteil danach regelrecht ausgestorben ist).
Aber ich möchte ja keinen Reiseführer schreiben, sondern nur ein paar Fotos mit Text bloggen, damit das hier nicht völlig verwaist ;-) Ach ja, und wir waren wirklich noch nie in Hamburg in einem Musical ...

Sonnenuntergang
Ein letzter Blick ...

Achso, und genau so verabschieden wir uns gern von Hamburg, bevor wir uns über die A7 auf den Weg Richtung Süden machen: mit einem Sonnenuntergang am Eurokai/Burchardkai ...

Essen und Trinken

Tapasbar El Iberico, Altona
Edel anmutend und doch so freundlich und persönlich. Das Essen war hervorragend, Rotwein über die Schulter eingeschenkt ein Erlebnis, und die Leute sind wirklich nett.

Fleetschlösschen, Speicherstadt
Ob Fritz-Cola, Rabarberschorle, ein Bierchen oder ein kleiner Snack – das Fleetschlösschen hat auf seinem engen Raum eine besondere Atmosphäre (zumindest für uns).

Eisprinzessinnen, Ottensen
Das beste Eis in Hamburg ~find~, mit Liebe gemacht und mit dem gewissen Etwas. Die Auswahl ist überschaubar, dafür aber qualitativ umso besser – und Eis wie Milchshake im Glas statt im Becher find ich eine klasse Idee.

Fischbrötchen
Das beste Fischbrötchen in Hamburg ist ungefähr so umstritten wie das beste Franzbrötchen. Ich nehme gerne Meinungen entgegen und probiere es aus ... wir hatten leckeren Brathering irgendwo in der Großen Elbstraße und haben nochmal nachgeholt, weil lecker ;-)

Frühstück
Ob Frühstücksbüffet im Engel am Teufelsbrück oder kleiner Frühstücksteller mit Kaffee im Hüftgold – was wir leider immernoch nicht gefunden haben ist eine italienische Bar mit Espresso und Hörnchen (in italiano si dice caffè e brioches).

Ausrüstung

Für ein langes Wochenende in Hamburg bietet sich das große Reisepaket an: Standardzoom (weil Standard), Ultraweitwinkel (für Architektur, etc), Portraitlinse (zum Momente einfangen), Stativ (für Nachtaufnahmen).
Ok, es geht auch ohne Kamera, weil Hamburg einen auch ohne Fotografie beschäftigt ...


Auch diesmal wieder: Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.